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Maskenpflicht in Flugzeugen bleibt trotz EU-Lockerungen

In vielen Teilen des öffentlichen Lebens ist die Maskenpflicht bereits gefallen. Dies gilt beispielsweise für Veranstaltungen oder beim Einkaufen. Nun hat die EU ihre Empfehlung für Flugreisen gelockert. Doch in Flugzeugen, die nach Deutschland kommen oder aus Deutschland ausreisen, gilt die Maskenpflicht weiterhin.

EU-Empfehlungen für Fluggäste

Ab 16. Mai 2022 ist laut EU die Flugreise wieder ohne das Tragen einer Maske erlaubt, das wurde am 11. Mai verkündet. Auch auf Flughäfen kann man sich ohne Maske aufhalten.

Trotzdem empfehlen die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC das Tragen einer Maske, um sich und andere vor dem Coronavirus zu schützen. Ausnahmen gelten dann, wenn eine Maskenpflicht im Verkehr des Abflug- oder Zielortes besteht.

Gründe für die Lockerung sind die Zahl der Corona-Impfungen, die Immunität durch Genesungen und dementsprechend die Lockerungen vieler Beschränkungen in immer mehr europäischen Staaten wie beispielsweise Italien oder Frankreich. 

Der Bundesverkehrsminister Volker Wissing forderte dementsprechend die Aufhebung der Maskenpflicht in Verkehrsmitteln und verwies auf die Empfehlungen der EU-Behörden.

“In manchen Ländern muss man keine Maske tragen. Wenn man in Deutschland einsteigt, soll man eine Maske tragen. […] Es gibt ja kein deutsches Coronavirus, sondern es ist ein einheitliches Problem in Europa”, erklärte Wissing im ARD-Morgenmagazin.

Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln bleibt weiter bestehen

Regierungssprecher Steffen Hebestreit und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sind anderer Meinung als Wissing. Lauterbach twitterte zur Thematik: “Mit täglich bis zu 150 Coronatoten und einer immer noch sehr hohen Inzidenz fehlt der Spielraum, auf Masken im öffentlichen Verkehr zu verzichten.” 

Laut Hebestreit werde die Maskenpflicht in Bussen, Bahnen und Flugzeugen weiterhin bestehen bleiben. Die Maskenpflicht in Flugzeugen und Fernzügen ist dabei im Infektionsschutzgesetz festgeschrieben. Das gilt bis zum 23. September 2022. Im Nahverkehr entscheiden die Bundesländer über die Maskenpflicht. 

Kritik gab es auch von Seiten des Deutschen Reiseverbands (DRV). Dessen Präsident, Norbert Fiebig, warnte vor einem “Flickenteppich an Regelungen bei Reisen in Europa, die kein Reisender mehr versteht und nachvollziehen kann”. Die aufkeimende Reiselust solle nicht durch die Maskenpflicht für Flüge gedämpft werden. 

Auch Stefan Herth, Präsident der Pilotengewerkschaft “Vereinigung Cockpit” ist gegen die Maskenpflicht: “Unsere Passagiere sind so international wie die gesamte Branche, Insellösungen sind da nicht praktikabel.” Auch sprach er Konflikte mit Reisenden und erwartete Verspätungen an. 

Für einen sicheren Sommer brauche es die Maskenpflicht im Gedränge in Bus und Bahn, erklärte der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen. Auch gebe es keinen Widerspruch zwischen dem Infektionsschutzgesetz und den EU Empfehlungen, da diese die nationale Maskenpflichten explizit mit einschließe. Eine vorzeitige Gesetzesänderung sei deshalb nicht nötig.

Diese Regelung gilt jetzt in Flugzeugen

Die Regelung gilt laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums in allen Flugzeugen, die in Deutschland ein- oder ausreisen. Passagiere müssen sowohl beim Ein- und Aussteigen als auch während des gesamten Fluges Masken tragen. Dabei kann es sich um medizinische Masken oder FFP2-Masken handeln. Die Masken dürfen nur zum Essen und Trinken abgenommen werden. Für Kinder unter sechs Jahren gilt die Regelung nicht. 

Kassenärzte für Ende der Maskenpflicht

Andreas Gassen, Verbands-Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, ist für das Ende der Maskenpflicht. In der “Rheinischen Post” betonte er die hohe Immunität in der Bevölkerung, die entspannte Lage auf den Intensivstationen und die laut Robert Koch-Institut offiziell 25 Millionen Genesene. Dabei ist er der Meinung, dass die Zahl der Genesenen zwei- bis dreimal so hoch sein könne. 

Reaktionen deutscher Airlines

Eine Sprecherin der Lufthansa Group erklärte, dass sich die Fluggesellschaft das Ende der Maskenpflicht an Bord herbeisehne. Es sei an der Zeit “auf Freiwilligkeit zu setzen, so wie es in anderen Bereichen des täglichen Lebens, etwa im Supermarkt oder Restaurant, inzwischen auch die Regel ist.”

Der Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) Wolf Kindt könne die Maskenpflicht “ausgerechnet im Flugzeug” nicht nachvollziehen. Diese hätten sehr leistungsfähige Lüftungssysteme, die die Luft in den Kabinen alle zwei bis drei Minuten austauschen würden. Zudem gebe es hochwirksame Schwebstofffilter (HEPA-Filter), die die Luft filtern würden. Das Risiko, sich mit dem Coronavirus im Flugzeug anzustecken sei laut ihm gering: “insbesondere im Vergleich zu den meisten anderen Lebens- und Arbeitsbereichen, in denen die Maskenpflicht bereits aufgehoben wurde”.