pulse 1

WHO empfiehlt Paxlovid für bestimmte Personen

Ende Januar 2022 wurde das Corona-Medikament Paxlovid des US-Pharmakonzerns Pfizer durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. Ende Februar begann die Auslieferung von Paxlovid in Deutschland. Nun gibt es auch eine offizielle Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für bestimmte Corona-Infizierte. Zunächst wurde das Medikament in Deutschland nur zögerlich verschrieben, doch nun nimmt die Verordnung stark zu. Sieht man hier ein positives Feedback?

Einsatz für Corona-Infizierte mit höchstem Risiko

Das Corona-Medikament Paxlovid soll die Virusvermehrung im Körper hemmen. In Deutschland wird es bereits seit der Auslieferung Ende Februar 2022 verwendet. 

Nun empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation die Tablette Corona-Patient:innen, die ein sehr hohes Risiko für eine Krankenhauseinweisung haben, jedoch leicht oder mittelschwer erkrankt seien. Die Wirkstoffe Nirmatrelvir und Ritonavir werden unter dem Namen Paxlovid vertrieben. Das Mittel sei bisher die beste therapeutische Wahl für Hochrisikopatient:innen. Dabei handele es sich beispielsweise um ungeimpfte, ältere oder immunschwache Personen.

Die “starke Empfehlung” beruft sich auf zwei randomisierten kontrollierten Studien mit 3078 Patient:innen. Laut den Daten sei das Risiko einer Krankenhauseinweisung im Gegensatz zur Kontrollgruppe um 85 Prozent gesenkt, wenn die Patient:innen Paxlovid erhielten, so die WHO. Dies bedeute in einer Hochrisikogruppe von 1000 Personen mit einem Hospitalisierungsrisiko von über 10 Prozent 84 Krankenhausaufenthalte weniger.

Bei einem geringen Krankenhausrisiko wird das Medikament nicht empfohlen. Der Grund sei ein vernachlässigbarer eingeschränkter Nutzen.

Was bei der Einnahme von Paxlovid zu beachten ist

Die WHO schreibt, dass nach Symptombeginn innerhalb von fünf Tagen das Medikament eingenommen werden muss. Paxlovid ist ein oral einzunehmender Wirkstoff.

Da das Corona-Medikament Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten habe, muss die Einnahme individuell mit den behandelnden Ärzt:innen abgesprochen werden.

Die Empfehlung gilt für Personen über 18 Jahren. Schwangere und Stillende sind von der Empfehlung ausgeschlossen

Eine Alternative zur Impfung stellt das Medikament allerdings nicht dar. Im RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärt der Virologe Friedemann Weber von der Uni Gießen: “wenn sich das Virus im Körper ausgebreitet hat, kann es Schäden verursachen – vorteilhaft ist deshalb, man verhindert, dass es überhaupt soweit kommt.“ Sobald man Symptome habe, ist die Krankheit oft schon fortgeschritten.

Sind bereits andere Medikamente im Einsatz?

Paxlovid steht nun auf der WHO-Liste mit geprüften Medikamenten. Das ist für viele Länder wichtig, die keine Regulierungsbehörde für Arzneimittel haben. In der EU ist das beispielsweise die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), in den USA ist es die U.S. Food and Drug Administration (FDA). Somit ebnet die WHO für viele anderen Länder den Weg zur Zulassung.

Es gibt weitere antivirale Medikamente, die ebenfalls zu Beginn einer Infektion eingesetzt werden und vor schweren Verläufen schützen sollen. Meistens handelt es sich dabei aber um Infusionen, nicht um Medikamente, die oral verabreicht werden. Damit ist Paxlovid ein spezielles Arzneimittel.

WHO befürchtet Benachteiligung von Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen

Auch berichtet die WHO in ihrer Mitteilung, dass es für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen Hindernisse gebe. 

Paxlovid müsse beispielsweise im Frühstadium der Corona-Infektion verabreicht werden. Um diese zu erkennen, ist eine schnelle und genaue Testung notwendig. Daten von FIND sollen zeigen, dass in Ländern mit niedrigem Einkommen im Vergleich mit Ländern mit hohem Einkommen täglich durchschnittlich nur ein achtzigstel der Testungen stattfinde

Deshalb zeigt sich die WHO besorgt darüber, dass Länder, die ein niedriges oder moderates Einkommen haben, “erneut an das Ende der Warteschlange gedrängt werden”, wenn es um den Zugang zu dieser Behandlungsmethode gehe. 

Auch übt die WHO Kritik am Originalhersteller aus und fordert Pfizer zur Transparenz der Preisgestaltung und seiner Geschäfte auf. Es sei den öffentlichen Gesundheitsorganisationen erschwert, genaue Informationen zur Verfügbarkeit des Medikaments zu erhalten und zu erfahren, welche Länder an den bilateralen Verträgen beteiligt seien und was sie bezahlen würden. Dies sei durch die fehlende Transparenz durch Pfizer bedingt. 

Durch die Lizenzvereinbarung von Pfizer mit dem Medicines Patent Pool werde außerdem die Zahl der Länder eingeschränkt, die einen Profit durch die Generika-Produktion des Corona-Medikaments erhalten könnten. Noch gebe es keine Generika aus qualitätsgesicherten Quellen. Für das Angebot müssen internationale Standards erfüllt werden, das einige Zeit in Anspruch nehmen könne. Die WHO möchte, dass Pfizer die Lizenz mit dem Medicines Patent Pool ausweitet, sodass insbesondere Generika schneller und günstiger zur Verfügung stellen können.

Bisher wird Paxlovid zögerlich verordnet

Wie die “Pharmazeutische Zeitung” (PZ) berichtet, würde Paxlovid nur “sehr verhalten verordnet” werden. Dennoch sei eine steigende Tendenz zu beobachten.

Laut PZ habe das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) bis Ende März in etwa 285.000 Euro an die Apotheken gezahlt. Dies beinhalte Abgabe, Beschaffung und teilweise auch die Auslieferung der beiden Medikamente Paxlovid und Lagevrio. Eine genaue Packungszahl konnte nicht genannt werden. Die PZ gehe bei einem maximalen Ausschüttungspreis von 67,50€ von einer Packungszahl von 4225 Stück aus

Auch mit dem Noventi-Konzern nahm die PZ Kontakt auf. Dieser kontrolliere mehrere Apotheken-Rechenzentren und sei einer der größten Abrechner Deutschlands. Laut Noventi wurden im Januar 2022 532 Rezepte abgerechnet. Im März seien es bereits über 2000 Rezepte gewesen.