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Gesundheitsminister warnt vor Corona-Killervariante und erntet Kritik

Erst kürzlich entfielen etliche Corona-Maßnahmen. Die Zahlen der Sieben-Tage-Inzidenz gehen zurück. Aktuell liegt der Inzidenzwert bei 720,6 (Stand 21. April 2022). Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach warnte vor einer möglichen Killervariante des Coronavirus.

Warnung vor Killervariante

Der “Bild am Sonntag” erklärte Lauterbach: „Wir besorgen Impfstoff, der vor den Omikron-Varianten schützt. Den erwarten wir im September.” Sowohl Impfstoff gegen die Delta- als auch gegen die Omikron-Variante würden dann zur Verfügung stehen und das Gesundheitsministerium sei auf eine zu erwartende Corona-Welle vorbereitet.

Neue Varianten des Coronavirus würden sich in immer kürzeren Abständen entwickeln, sodass die Vorbereitung auf neue Mutationen zunehmend schwieriger werde, so Lauterbach. Die sich derzeit entwickelnden Omikron-Subvarianten seien für ihn ein Grund zur Besorgnis. Der Bundesgesundheitsminister sprach von der Möglichkeit einer hochansteckenden Omikron-Variante, “die so tödlich wie Delta ist. Das wäre eine absolute Killervariante.”

Aktuell herrscht in Deutschland die Omikron BA.2 Variante vor. Sie löste die davor grassierende Variante Omikron BA.1 ab. Derzeit stuft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch die zwei weiteren Omikron Subtypen BA.4 und BA.5 als besorgniserregend ein.

Außerdem wurde erst kürzlich in Großbritannien die Omikron XE Variante entdeckt, die laut WHO eine Kreuzung aus BA.1 und BA.2 darstelle, eine Rekombinante. Eine Variante aus Delta und Omikron wäre prinzipiell möglich.

Wie realistisch ist eine Killervariante?

Der SWR Wissenschaftsredakteur David Beck setzte sich mit der Frage auseinander, wie realistisch eine Killervariante sei. Die Weiterentwicklung des Coronavirus wird voranschreiten und man müsse sich vorbereiten, auch wenn man noch nicht wisse, was auf uns zukomme. Die Kernaussage Lauterbachs sei laut Beck richtig, die Formulierung als “Killervariante” habe jedoch eine Tendenz zur “Panikmache”.

Aufgrund der aktuellen Impfquote und der Anzahl genesener Personen wäre das Gesundheitswesen laut Beck vermutlich auch bei weiteren Virusvarianten vor einer Überlastung geschützt. An der Omikron-Variante sei der Immunschutz bereits wirksam, weshalb die Variante oft als milde wahrgenommen werde. Zudem sei davon auszugehen, dass die Grundimmunität auch vor neuen Varianten schützen werde.

Welche Kritik wurde geäußert?

Kritik aus der Wissenschaft und Medizin

Prof. Dr. Stefan Kluge ist sowohl Leiter der Intensivmedizin Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf als auch Präsidiumsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Laut ihm sei es nicht Vorhersehbar, welche Variante im Herbst dominant werde. Auf eine Variante, die einen schwereren Krankheitsverlauf mit sich bringe als Omikron, sollte man vorbereitet sein, erklärte er der Funke Mediengruppe. Kritisch sehe er allerdings die Wortwahl Lauterbachs: „Eine Corona-Variante als ‚Killervariante‘ zu bezeichnen, ist unpassend„, so Kluge. 

Kluge riet zu Impfkampagnen für ungeimpfte Menschen über 60 Jahren, genug Impfstoff und Corona-Tests. Außerdem sollte laut ihm der Ausbau der Digitalisierung stattfinden, Schutzmaterialien für vulnerable Bereiche wie medizinische und pflegerische Einrichtungen gestellt werden und der Fachkräftemangel in Pflege, Gesundheitsämtern und in Arztpraxen in ländlichen Gegenden angegangen werden.

Im NDR kritisierte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit ähnlich wie Kluge die Unwissenschaftlichkeit des Begriffs “Killervariante”, der die Bevölkerung verunsichern würde. 

Der Virologe Alexander Kekulé von der Universitätsmedizin Halle hält die Warnung Lauterbachs vor einer absoluten Killervariante für “nicht sehr wahrscheinlich”, da sich das Coronavirus “lehrbuchmäßig” weiterentwickle, erklärte er in seinem MDR-Podcast.

Zwar werden neue Varianten ansteckender, jedoch nehme die krankmachende Wirkung durch Impfungen und Genesungen ab. Kekulé halte eine Variante ähnlich der Delta-Variante für möglich, doch wäre dies in seinen Augen keine “absolute Killervariante”. Zudem kritisierte Kekulé die vermehrten “Worst-Case-Szenarien” Lauterbachs, die dazu führen könnten, dass die Warnungen künftig nicht mehr ernst genommen werden würden.

Auch der Virologe Hendrik Streeck aus Bonn kommentierte in der “Bild”, dass die Variantenentwicklung nicht vorhersehbar sei. Deshalb sei die Vorbereitung auf die nächste Corona-Welle wichtiger als die Warnung vor möglichen “Killervarianten”. Zudem habe Deutschland eine hohe Impfquote und etliche Genesene, die alle einen Basis-Schutz hätten.

Kritik von Politiker:innen und Patientenschützer:innen

Zur Wortwahl Lauterbachs äußerten auch Politiker:innen aus der Ampelkoalition Kritik. Tabea Rößner, die Vorsitzende des Digitalausschusses im Bundestag, twitterte beispielsweise, dass der Ausdruck “Killervariante” zum “Unwort des Jahres” gewählt werden könnte. 

Konstantin von Notz, stellvertretender Fraktionschef der Grünen im Bundestag, hielt die Prognose Lauterbachs auf Twitter für “wenig hilfreich”

Den “Daueralarmismus” Lauterbachs kritisierte der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP Torsten Herbst: Ins “Blaue hinein Angst zu verbreiten, ist kein verantwortliches Handeln.” 
Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, halte Angst für einen schlechten Ratgeber. Zwar solle man sich auf den Corona-Herbst vorbereiten, doch solle Karl Lauterbach “apokalyptische Prophezeiungen unterlassen”.

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