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Auslieferung des Pfizer Corona-Medikaments Paxlovid beginnt

Die neue Covid-Pille des US-Herstellers Pfizer gilt als sehr effektiv. Nachdem das Präparat bereits Ende Januar die EMA-Zulassung erhielt, wird es in den nächsten Tagen an erste Apotheken ausgeliefert. Damit ist Paxlovid das erste Mittel, das Corona Patienten zu hause oral einnehmen können, um damit schweren Verläufen und Komplikationen vorzubeugen. Allerdings ist das Mittel nicht für alle Personengruppen geeignet. 

Stoppt die Vermehrung des Virus im Körper

Die Wirkung von Paxlovid beruht auf der Kombination zweier Wirkstoffe. Einer der beiden, Nirmatrelvir, wurde von Pfizer eigens für den Einsatz gegen das Coronavirus entwickelt. Zusammen mit dem Ritanovir, einer erprobten Substanz aus der HIV-Therapie, wird ein Enzym des Coronavirus gehemmt, das an der Verbreitung und Vermehrung des Virus im Körper beteiligt ist. “Der Wirkstoff blockiert eines der wichtigsten Enzyme, die das Coronavirus braucht, um sich zu vermehren”, so Daniel Kalanovic, Medizinischer Direktor bei Pfizer in Deutschland. 

Das Kombipräparat zeigt Wirkung. Der US-Hersteller spricht von einer “überwältigenden Wirksamkeit”. Und tatsächlich konnte es  in klinischen Studien schwere Verläufe und Krankenhaus Aufenthalte um 89 Prozent senken. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen können von der neuen Behandlungsmethode profitieren. Das ist besonders positiv zu bewerten, da die bisherigen Behandlungsoptionen für sie sehr eingeschränkt sind. Das bisher eingesetzte Präparat Molnupiravir des US-amerikanischen Pharmaunternehmen Merck & Co. weist beispielsweise eine deutlich niedrigere Wirksamkeit und teils gravierende Nebenwirkungen auf. 

Ein weiterer Pluspunkt: Labortests  weisen darauf hin, dass Paxlovid auch bei der aktuell grassierenden Omikron-Variante des Coronavirus seine Wirkung beibehält. 

Basierend auf diesen Daten erteilte die US-Arzneimittelbehörde FDA bereits im Dezember die Notfallzulassung für Paxlovid. Ende Januar zog die EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur) nach und Deutschland bestellte bereits eine Million Behandlungseinheiten. 

„Das Medikament ist extrem vielversprechend, weil es in der frühen Gabe den schweren Verlauf von Covid deutlich abschwächen kann“, so Gesundheitsminister Karl Lauterbach. „Ich rechne damit, dass wir damit zahlreiche schwere Verläufe auf den Intensivstationen verhindern können.“

Vor allem Hochrisikopatienten profitieren

Laut Lauterbach eigne sich das Mittel ”insbesondere für die Behandlung ungeimpfter Risikopatienten“. Für diese gilt das Mittel als besonders effektiv, auch weil sie das höchste Risiko für schwere Verläufe, Komplikationen und damit auch Krankenhausaufenthalte haben. 

Dieses Verhältnis zeigte sich in Studien deutlich. Von den 697 Covid-19-Patient*innen die Paxlovid erhielten, mussten lediglich fünf Personen im Krankenhaus behandelt werden. Von den  682 Patient*innen der Kontrollgruppe waren es hingegen 44.

Paxlovid habe das Potenzial, für Patienten mit dem Risiko eines schweren Verlaufs einen echten Unterschied zu machen, bewertete die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides die EU Zulassung. 

Zu diesen Risikopatienten zählen unter anderem Senioren, sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Krebs. Ihnen kann nachdem eine Infektion festgestellt wurde zukünftig von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt das Mittel verschrieben werden. Sie erhalten jeweils eine Packung, die die Tablettenmenge enthält, die für die Behandlung eines Patienten nötig ist. Anschließend nehmen Patienten nach Herstellerangaben über fünf Tage zweimal täglich jeweils drei Tabletten ein.

Nicht für alle Patientengruppen geeignet 

Die Einnahme des Medikaments startet innerhalb der ersten fünf Tage nach Symptombeginn. Hier zeigt sich bereits eine entscheidende Limitation des Medikaments, denn vielen Patienten ist in dieser Zeit noch nicht bewusst, dass sie infiziert sind. Im Falle von Symptomen ist daher eine schnelle Diagnose entscheidend. 

Ein Antigen Schnelltest, wie er in den deutschlandweiten Testzentren von Coronatest angeboten wird, schafft Klarheit. Noch zuverlässiger, gerade bei geringer Viruslast zu Beginn der Infektion, sind PCR Tests. 

Dieser Zeitraum von fünf Tagen ist daher so elementar, da nur in dieser Anfangsphase der Infektion das Virus noch entscheidend bei seiner Vermehrung im Körper eingeschränkt werden kann. 

Entsprechend stellt die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) klar, dass mit Paxlovid erwachsene Patienten behandelt werden können, die [noch] keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigten. Für Personen, die bereits einen schweren Verlauf haben, ist es daher nicht geeignet. 

Im Gegensatz zu den USA, die Paxlovid bereits ab einem Alter von 12 Jahren zulässt, hat Paxlovid in Deutschland nur eine Erwachsenenzulassung.

Eine weitere Einschränkung ergibt sich aus den Nebenwirkungen. Zwar fielen sie in der Zulassungsstudie im Vergleich zu anderen bei Corona-Infektionen eingesetzten Wirkstoffen eher mild aus, jedoch berichteten Probanden von Beeinträchtigungen des Geschmackssinns, Durchfall, Bluthochdruck und Muskelschmerzen. Die EMA warnt zudem, dass  die Wirkung anderer Medikamente beeinträchtigt werden kann. 

Daher darf Paxlovid nicht bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen eingenommen werden. Auch Patienten die mit Medikamenten behandelt werden, mit denen Wechselwirkungen zu erwarten sind, können nicht mit Paxlovid behandelt werden. 

Nicht empfohlen wird Paxlovid zudem für Schwangere. 

Auslieferung in Deutschland

Die Auslieferung der Tabletten durch den Pharmakonzern Pfizer startete in Deutschland am Mittwoch, den 23. Februar. Zunächst wird der Pharmagroßhandel beliefert. Hier bestellen Apotheken das Präparat, nachdem ihnen ein entsprechendes ärztliches Rezept vom Patienten vorliegt. 

Der Weg vom Produktionsort ist nicht weit. Produziert und verpackt wird das Mittel in Freiburg.

Rund 30 Millionen Behandlungseinheiten plant Pfizer im ersten Halbjahr 2022 herzustellen. Im zweiten Halbjahr wird sogar eine Produktion von weiteren 90 Millionen Packungen anvisiert.

Die Abnehmer sind da. Fast 100 Regierungen haben inzwischen Gespräche mit Pfizer aufgenommen. Allein die USA hat bereits mehr als 20 Millionen Behandlungseinheiten geordert. 

Keine Alternative zur Impfung

Auch wenn sich Ärzt*innen und Politiker*innen einig sind, dass Paxlovid im Kampf gegen die Pandemie einen großen Fortschritt bringen wird, ein Ersatz für die Impfung ist es nicht. „Wenn wir eine Grundimmunisierung auch der älteren Vulnerablen geschafft und Medikamente wie Paxlovid oder Molnupiravir oder andere zur Hand hätten, dann wären wir ja durch“, sagte Karl Lauterbach im Januar im Bundesrat und weist damit darauf hin, dass er die Impfung weiterhin für einen elementaren Schritt der Corona-Bekämpfung hält.  

Mit Kosten von rund 600 € – 700 € pro Packung kostet Paxlovid ein Vielfaches der Corona-Impfungen. Hinzu kommen limitierende Faktoren,wie der notwendige Behandlungsbeginn in den ersten fünf Tagen nach Auftreten der ersten Symptome. Auch ist die Anwendung des Medikaments komplizierter und dadurch fehleranfälliger als die Impfung. 

Ein weiterer Aspekt ist die Sicherheit. Zwar wurde alle Auflagen für die Notfallzulassung bestanden, so gut erforscht wie die Impfstoffe, die inzwischen weltweit milliardenfach verabreicht und dabei streng überwacht wurden, ist das neue Medikament noch nicht.  

Ein Wendepunkt in der Pandemie?

Mit Paxlovid erhalten Ärzte ein neues wirksames Werkzeug um Corona-Infektionen zu bekämpfen. Ein alleiniges Allheilmittel ist jedoch auch die Corona-Pille nicht. 

Am Ende wird es die Kombination von immer wirksameren Impfstoffen, regelmäßigen Tests und Behandlungsmöglichkeiten sein, die Covid-19 zu einer Krankheit macht, die ihren Schrecken verlieren wird. 

Daniel Kalanovic, Medizinischer Direktor bei Pfizer in Deutschland, hofft, dass mit Hilfe von Paxlovid der »Wendepunkt in der Pandemie« erreicht werden kann.

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