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STIKO empfiehlt Protein-Impfstoff von Novavax und 4. Impfung für vulnerable Gruppen

Anfang Februar veröffentlichte die Ständige Impfkommission (STIKO) eine Pressemitteilung mit zwei neuen Empfehlungen. Es wird sowohl der Protein- beziehungsweise Totimpfstoff Nuvaxovid von Novavax zur Grundimmunisierung empfohlen als auch eine zweite Auffrischungsimpfung für vulnerable Gruppen.

Nuvaxovid zur Grundimmunisierung

Bei Nuvaxovid handelt es sich um einen Protein-Impfstoff der Firma Novavax aus Gaithersburg in Maryland in den USA. Am 2. März 2021 begann das Rolling-Preview Verfahren des Impfstoffs in der EU. Seit dem 20. Dezember 2021 ist das Vakzin offiziell in der EU durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassen. Laut Novavax gibt es bereits Zulassungen in über 170 Ländern. In den meisten Fällen geschah das durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach soll ab dem 21. Februar 2022 die erste Lieferung zur Verfügung stehen, die 1,75 Millionen Impfdosen enthält. Eine weitere Lieferung mit 3,25 Millionen Dosen werde Lauterbach zufolge bestenfalls Ende Februar erwartet, es gebe allerdings noch keinen konkreten Liefertermin.

Der Impfstoff kann laut STIKO zur Grundimmunisierung für Personen ab 18 Jahren verwendet werden. Schwangeren und Stillenden wird der Impfstoff aktuell nicht empfohlen.

Für die vollständige Impfung sind zwei Dosen im Abstand von mindestens drei Wochen nötig. Zu beachten ist, dass es sich noch nicht um eine finale Empfehlung handelt, da noch ein Abstimmungsverfahren mit Fachgesellschaften und Ländern ansteht.

Impfstoff auf Protein-Basis

Der Impfstoff enthält bestimmte Virusproteine und einen Wirkverstärker, den man auch Adjuvans nennt. In diesem Fall handelt es sich um eine Substanz, die beispielsweise aus der Rinde des chilenischen Seifenrindenbaums extrahiert wird. 

Anders als bei mRNA- und Vektorimpfstoffen werden schon fertige Spike-Proteine verimpft, sodass der Körper diese nicht selbst herstellen muss. Es werden also Kopien des Spike-Proteins genutzt. Vermehrungsfähige Viren sind im Vakzin nicht enthalten. Der Impfstoff zählt deshalb auch zur Untergruppe der Totimpfstoffe.

Wirksamkeit bei Virusvarianten

Wie wirksam Nuvaxovid gegen die Omikron-Variante ist, ist noch nicht bekannt. Gegen die vorangegangen Varianten soll das Vakzin aber eine ähnliche Wirksamkeit gehabt haben wie die bisher zugelassenen mRNA-Impfstoffe von Moderna und BioNTech. Das belegt eine Studie der Phase II, die Mitte Juni 2021 veröffentlicht wurde und an der rund 30.000 Personen ab 18 Jahren in den USA und Mexiko teilnahmen. Demnach lag die Wirksamkeit nach zwei Dosen bei 90,4 Prozent und schützte zu 100 Prozent vor mittelschweren und schweren Krankheitsverläufen.

Es stellt sich die Frage, ob das Vakzin auch für Booster-Impfungen verwendet werden könnte. Noch empfiehlt die STIKO das nicht. In der Augsburger Allgemeinen erklärte der Immunologe Carsten Watzl: „Bei den Booster-Impfungen ist Novavax laut einer britischen Studie nicht ganz so effektiv wie die mRNA-Impfstoffe, aber deutlich besser als Vektorimpfstoffe wie AstraZeneca oder Johnson&Johnson.”

Impfreaktionen

Wie auch von den bisher zugelassenen Impfstoffen bekannt, kann auch Nuvaxovid häufig zu lokalen und systemischen Impfreaktionen führen wie Rötung oder Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Kopf- und Muskelschmerzen. Diese können wenige Tage anhalten und von der Stärke der Reaktion mit den aktuellen Impfstoffen verglichen werden

Laut STIKO ergaben die Zulassungsstudien “keine Sicherheitsbedenken hinsichtlich schwerer unerwünschter Wirkungen nach Impfung”. Gleichzeitig stellt die Kommission in ihrer Pressemitteilung fest, dass die Datenlage zu Novavax Vakzin noch limitiert sei.

Die Vorteile des Protein-Impfstoffs

Protein-Impfstoffe konnten sich bereits vor den mRNA- und Vektorimpfstoffen bewähren, zum Beispiel gegen die Grippe.

Ein großer Vorteil ist die Lagerung und der Transport bei Kühlschranktemperaturen sowie die geringere Empfindlichkeit im Gegensatz zu mRNA-Impfstoffen. So kann das Vakzin künftig sehr gut in weniger wohlhabenden Ländern eingesetzt werden. Novavax möchte für das globale Impfprogramm Covax außerdem 1,1 Milliarden Dosen ihres Impfstoffs bereitstellen. Die Organisation kümmert sich um eine weltweit gerechte Verteilung der Vakzine.

Positiv ist auch, dass das Vakzin eine Alternative für Menschen darstellt, die mRNA- und Vektorimpfstoffe ablehnen. Es besteht nun die Möglichkeit auch für Impfstoffskeptiker, sich mit einem Vakzin immunisieren zu lassen, der quasi als Totimpfstoff gilt.

Empfehlung zur 4. Corona-Impfung für vulnerable Gruppen

In ihrer Pressemitteilung vom 3. Februar 2022 teilte die Ständige Impfkommission ebenfalls die Empfehlung für vulnerable Gruppen mit, die sich mit einer vierten Impfung gegen das Coronavirus schützen können. Auch dieser Beschluss ist noch im vorgeschriebenen Stellungnahmeverfahren.

Die Empfehlung gilt genauer definiert für gesundheitlich gefährdete beziehungsweise exponierte Personengruppen. Damit meint die STIKO

  • Menschen ab 70 Jahren
  • Menschen mit Immunschwäche (ab fünf Jahren)
  • Bewohner:innen und Betreute in Pflegeeinrichtungen
  • Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen

Wann soll die Impfung stattfinden und mit welchem Impfstoff?

Die vierte Impfung – auch zweite Auffrischungsimpfung genannt – soll frühestens drei Monate nach der ersten Auffrischungsimpfung erfolgen. Bei Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen und medizinischen Einrichtungen soll der zweite Booster frühestens nach sechs Monaten verabreicht werden. Eine Ausnahme für die Empfehlung gibt es allerdings: wer sich nach dem ersten Booster mit Corona infizierte, soll keinen zweiten Booster erhalten.

Begründet wird die Entscheidung mit der aktuellen Datenlage. So soll der Schutz gegen die aktuell dominierende Omikron-Variante nach der ersten Auffrischungsimpfung nach wenigen Monaten abnehmen. Besonders für ältere und immungeschwächte Personen ist das Risiko hoch, bei einer Infektion mit Covid-19 einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden. 

Eine zweite Auffrischungsimpfung soll dies verhindern und den Schutz gegen das Coronavirus verbessern. Ein weiteres Ziel sei laut STIKO ein individuell besserer Schutz des Personals in Pflegeeinrichtungen und medizinischen Einrichtungen, da hier die Ansteckungsgefahr erhöht sei. Außerdem soll die Aufrechterhaltung der medizinischen und pflegerischen Versorgung gesichert werden. Durch die vierte Impfung sollen deshalb Isolation und Quarantänemaßnahmen verringert werden.

Zusätzlich verweist die STIKO auf die eingeschränkte Datenlage zur “Effektivität und zur Sicherheit einer 2. Auffrischimpfung”, geht jedoch von einer Verträglichkeit aus, die mit der der ersten Auffrischungsimpfung vergleichbar sei.

Für die zweite Booster-Impfung soll laut STIKO ein mRNA-Impfstoff verwendet werden. Das bedeutet, dass Spikevax von Moderna und Comirnaty von BioNTech/Pfizer für die zweite Auffrischungsimpfung empfohlen werden. 

Befürwortung und kritische Stimmen

Bundesminister Karl Lauterbach äußerte sich bei Twitter zur Entscheidung der STIKO und befürwortete den zusätzlichen Schutz älterer und vulnerabler Personen durch die vierte Impfung, verwies gleichzeitig auf die Priorisierung der Grundimmunisierung und ersten Booster Impfung.

Schon Ende Dezember 2021 ging Lauterbach davon aus, dass eine vierte Impfung nötig sein werde. Deshalb habe Deutschland 80 Millionen Dosen eines BioNTech Impfstoffs bestellt, der speziell auf die Omikron Variante abgestimmt sei. Ugur Sahin, Chef von BioNTech, gehe davon aus, dass “wir bis März für eine Belieferung des Marktes bereit sind, wenn die behördlichen Genehmigungen vorliegen.” Lauterbach vermutet, dass die großflächige Impfung mit Omikron-Impfstoff voraussichtlich im Mai 2022 gestartet werden könne.

Auch der Vorstand der Stiftung Patientenschutz Eugen Brysch, begrüßte die Empfehlung als “ein gewisses Maß an Rechtssicherheit” für Ärzt:innen. Eine individuelle Absprache zwischen Ärzt:innen und Patient:innen im Kontext ihrer Vulnerabilität und ihrem tatsächlichen Immunstatus hält er für ratsam. 

Kritik äußerte Thomas Voshaar, der Chefarzt der Klinik für Lungen- und Bronchialheilkunde ist, im Interview mit der WELT: „Ich sehe keine Indikation für eine vierte Impfung mit dem gleichen Impfstoff”, dieser sei “für das Ursprungsvirus entwickelt” worden. Er hinterfrage  einen zusätzlichen positiven Effekt, mögliche Nebenwirkungen und ein Nutzen-Risiko-Verhältnis im Vergleich  zu den ersten Impfungen.Laut STIKO-Vorsitzendem Thomas Mertens sollen Studien aus Israel zeigen, dass eine zweite Auffrischungsimpfung „eine gewisse Verbesserung beim Schutz vor Infektion und eine deutlichere Verbesserung beim Schutz vor schwerer Erkrankung bewirkt.”

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