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Gibt es bald eine Corona Schluckimpfung?

Von der Nasenspray-Impfung als Alternative zur Spritzen-Impfung berichteten wir vor Kurzem. Doch es könnte noch eine weitere Möglichkeit geben, Impfungen in Zukunft zu verabreichen. Forschende beschäftigen sich mit der Frage, ob eine Corona-Impfung zum Schlucken, also als Tablette oder Kapsel möglich ist. Wie weit ist die Forschung bisher? Gibt es bald eine Alternative für Menschen mit einer Spritzenphobie?

Die Corona-Impfung zum Schlucken

Bei einer Schluckimpfung wird der Impfstoff oral, also über den Mund, aufgenommen. Der Impfstoff kann flüssig, in Form einer Tablette oder als Kapsel verabreicht werden. Meistens handelt es sich um einen abgeschwächten Erreger, also um einen Lebendimpfstoff. Der Impfstoff muss resistent gegen Magensaft und Verdauungsenzyme sein.

Gibt es bereits das Prinzip der Schluckimpfung?

Schluckimpfungen gab und gibt es bereits. In den 60er Jahren trug sie maßgeblich dazu bei, Polio, auch Kinderlähmung genannt, einzudämmen. Kinder bekamen die Impfung auf einen Zuckerwürfel getröpfelt, den sie dann in den Mund nahmen. 1998 setzte sich allerdings die Impfung als Spritze bei Polio durch, da bei der Schluckimpfung in seltenen Fällen die Krankheit durch den Impfstoff selbst ausgelöst wurde. Seit 15 Jahren trat in Europa kein Polio-Fall mehr auf. 

Gegen Rotaviren empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Säuglingen seit Juli 2013 eine Schluckimpfung. Diese soll den Kindern im Alter von sechs bis 12 Wochen verabreicht werden.

Bei der Infektionskrankheit Typhus, die durch die Bakterienart Salmonellen ausgelöst wird, ist die Impfung per Injektion oder zum Schlucken als Kapsel oder in flüssiger Form möglich. Die Schluckimpfung mit dem Lebendimpfstoff erfolgt mit drei Dosen, die jeden zweiten Tag eingenommen werden.

Das ist der Stand der Forschung

Universität Würzburg

An einer Kapsel als Corona-Impfung arbeiten Forscher:innen der Universität Würzburg in Zusammenarbeit mit einem Pharmaunternehmen. Es handelt sich um das Team um Professor Thomas Rudel, der den Lehrstuhl für Mikrobiologie an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg (JMU) leitet und das Unternehmen Aeterna Zentaris GmbH.

Laut Informationen der vfa befindet sich der Impfstoff aus Würzburg Anfang Dezember 2021 noch immer in der vorklinischen Entwicklungsphase. Die nächste Stufe wäre die klinische Testung, die an Menschen stattfindet.

In einem Interview mit NEWS5 erklärt Thomas Rudel, dass Bakterien, die schon für den Typhus-Impfstoff verwendet werden, auch für den neuen Covid-19-Impfstoff verwendet werden sollen. Die Bakterien des erprobten Typhus-Vakzins sollen umprogrammiert und als Träger verwendet werden, sodass sie bestimmte Antigene des Coronavirus tragen. Der Körper soll dann laut Rudel gegen die Bakterien und die Antigene des Virus reagieren

Die Immunisierung finde durch den Darm statt, der Immunschutz wirke aber auf allen Schleimhautoberflächen, so auch im Atembereich, in der Lunge und im Darm. So werde nicht nur die Vermehrung des Virus verhindert, sondern auch das Eindringen in den Körper. Vier Kapseln sollen zur Immunisierung benötigt werden.

In einer Pressemitteilung der Universität Würzburg heißt es, dass die Kapsel den Impfstoff vor der Magensäure schütze, sodass die Wirkung sich im Dünndarm entfalten könne und so auf das Immunsystem reagieren könne. Zudem soll das Vakzin zwei Antigene herstellen und so einen “Sicherheitsanker” gegen Virusmutationen bieten, indem eines auf einem Gen basiere, das selten mutiere.

Rudel rechne relativ bald mit Genehmigungen für klinische Tests, doch betone, dass es keine Garantie dafür gebe, dass man das Vakzin bald in der Apotheke kaufen könne, da es immer ein Risiko gebe, dass ein Wirkstoff in einem späten Entwicklungsstadium scheitere.

Studien aus Israel

Die Unternehmen Oramed Pharmaceuticals und Premas Biotech gründeten gemeinsam die Firma Oravax, die einen Schluckimpfstoff gegen das Coronavirus entwickelten. Dabei soll es sich wie bei den Studien in Würzburg um Impfstoff-Kapseln handeln, die magensaftresistent sind und im Darm wirken. Doch soll der Wirkstoff nicht auf das Spike-Protein abzielen wie bei den mRNA-Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und Moderna, sondern sich gegen drei Struktur-Proteine richten. Eine Pilotstudie mit Tieren kam bereits zu dem Ergebnis, dass die Entwicklung von Antikörpern gegen Covid-19 durch das Vakzin gefördert werde.

Im Juli 2021 berichtete das Forbes Magazin, dass der Prüfungsausschuss des Ichilov-Krankenhauses dem Start der Phase-I-Studie bereits zustimmte und noch auf eine Genehmigung des Gesundheitsministeriums gewartet werde.

Oravax veröffentlichte Ende Oktober 2021 eine Pressemitteilung, in der es von der Genehmigung der südafrikanischen Aufsichtsbehörde für Gesundheitsprodukte schrieb. So würden die Vorbereitungen für den Beginn der klinischen Phase-1-Studie mit einer Patientenrekrutierung starten.

Die Pharmaceutical Technology berichtete Anfang Dezember 2021 über den aktuellen Stand der Forschung. Sie zitierte den Mitbegründer und Geschäftsführer von Premas Biotech, Prabuddha Kundu: „Der Impfstoffkandidat mit virusähnlichen Partikeln von Oravax wurde im Wissen um die hohe Wahrscheinlichkeit von Mutationen des Spike-Proteins entwickelt, die wir derzeit beobachten. […] Unser oraler Impfstoffkandidat ist ein Dreifach-Antigen-Impfstoff, der neben dem Spike-Protein auch Membran- und Hüllproteine enthält, von denen bekannt ist, dass sie nicht mutieren.” Kundu kündigte präklinische In-vitro-Tests und Challenge-Studien des Vakzins gegen die Omikron-Variante des Coronavirus an.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind derzeit (Stand 3.12.2021) 5 orale Impfstoffe in der vorklinischen Testphase.  Die fünf folgenden Hersteller sind mit ihren Vakzinen bereits in der klinischen Entwicklung: Vaxart, Symvivo Corporation, ImmunityBio, Inc, USSF/Vaxform und DreamTec Research Limited.

Welche Vorteile bringt die Schluckimpfung mit sich?

Die neuen Impfstoffe aus Würzburg und Israel seien beide einfach in ihrer Anwendung. Sie können einfach als Kapsel oral zu sich genommen werden, so könne die Einnahme sogar zu Hause ohne geschultes Personal stattfinden.

Da keine Injektion nötig ist, könnten sich Personen mit einer Angst vor Spritzen zu einer Impfung überwinden. Je nach Größe der Kapsel wäre es vielleicht auch eine Alternative für Kinder und Jugendliche. Auch hat die Einnahme als Kapsel den Vorteil, dass der Immunschutz direkt auf den Schleimhäuten angeregt wird. So könnten künftig Ansteckungen gänzlich verhindert werden.

Beide Impfstoffe seien relativ günstig herzustellen und auch bei normalen Raumtemperaturen beziehungsweise Kühlschranktemperaturen vergleichsweise stabil. Das würde laut Pressemitteilung der Universität Würzburg auch “den Einsatz in Ländern attraktiv machen, in denen es schwierig ist, eine Kühlkette mit Temperaturen von bis zu minus 70°C ohne Unterbrechung zu gewährleisten”. 

Die Logistik, der Transport und die Lagerung in ärmeren Ländern wären vereinfacht und würden so einen breiteren weltweiten Zugang zu der wichtigen Immunisierung gegen das Coronavirus bieten.
Wie Nadav Kidron, CEO bei Oramed Pharmaceuticals, der Zeitung Jerusalem Post berichtete, hätten oral einzunehmende Medikamente meist weniger Nebenwirkungen. Laut Dr. Sabine Vygen-Bonnet aus der Abteilung für Infektionsepidemiologie des Robert-Koch-Instituts seien Impfungen besonders für immungeschwächte Personen wichtig, jedoch könnten Lebendimpfstoffe bei Personen mit schwacher Immunabwehr zu einer Erkrankung führen, weshalb diese Personen auf Empfehlungen der STIKO achten sollten.

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