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Corona-Impfungen als Nasenspray möglich?

Vor Kurzem berichteten wir über die Pflaster-Impfung als mögliche Alternative zur gängigen Corona-Impfung per Spritze. Doch die Forschung ruht nicht und entwickelt immer weitere Techniken, um Impfungen zu vereinfachen. Im Kampf gegen Corona sind Impfungen ein wichtiger Faktor, um das Virus einzudämmen. Einige haben Angst vor Spritzen. Können neue Ansätze noch mehr Menschen von einer Impfung überzeugen? Und wie lange dauert es, bis sich Impfungen als Nasenspray durchsetzen könnten?

Die Corona-Impfung als Nasenspray

Die Impfung als Nasenspray wirkt durch die Inhalation des Impfstoffs in den oberen Atemwegen. Dort setzt die Infektion mit dem Coronavirus normalerweise an. Und auch nach der Impfung können die Coronaviren sich manchmal in Mund und Nase vermehren.

Die Impfung als Nasenspray könnte also verhindern, dass Viren kurzzeitig in den Atemwegen erzeugt werden. Das wird von Forscher:innen als “sterile Immunisierung” bezeichnet und würde geimpfte Personen nicht mehr infektiös machen. Aktuell können auch geimpfte und genesene Personen das Coronavirus weiter verbreiten – durch die Impfung haben sie allerdings ein geringeres Risiko, an einem schweren Krankheitsverlauf zu leiden.

Der Wissenschaftsjournalist Axel Dorloff erklärt im rbb-Impfradio, dass “[d]ie Impfstoffe, die jetzt gerade erfolgreich eingesetzt werden wie Biontech […] nicht einfach so in der Nase” funktionieren würden. Die Impfstoffe müssten an die komplexe Umgebung angepasst werden, da die Schleimhäute der Nase eine Barriere für Fremdkörper und Keime darstellen würden.

Gibt es schon Impfungen als Nasenspray?

Ja, die Impfung als Nasenspray ist an sich keine neue Erfindung. Es gibt sie noch nicht gegen Covid-19. Die Nasenspray-Impfung gegen Grippe ist allerdings schon auf dem Markt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfahl sie einige Jahre lang für Zwei- bis Sechsjährige, doch da die Impfung laut US-amerikanischen Studien so keine bessere Schutzwirkung erbrachte, nahm die STIKO die Empfehlung wieder zurück. Die Grippe-Impfung per Nasenspray kann laut RKI bei Kindern eingesetzt werden, die zum Beispiel Angst vor Spritzen oder auch Blutgerinnungsstörungen haben. Für Erwachsene ist der Impfstoff nicht zugelassen.

Die österreichische Tageszeitung Der Standard berichtet zudem von zwei Impfstoffen, die gegen das Neisseria meningitidis Bakterium schützen sollen. Dieses soll Hirnhautentzündungen auslösen. das Vakzin dagegen in Nasenspray-Form werde bereits bei lokalen Meningitis-Ausbrüchen in Skandinavien, Neuseeland und auf Kuba zugelassen.

Obwohl es einige wenige Beispiele gibt, ist die intranasale Impfstoffforschung noch nicht sehr fortgeschritten. Aktuell werden sieben Inhalationsimpfstoffe gegen Covid-19 getestet, so das medizinische Fachmagazin Science. Doch alle seien noch in einer frühen Testphase, nämlich in der klinischen Studienphase I. Die Zulassung wäre erst mit Studienphase III möglich.

Stand der Forschung

Graz

Aktuell forscht beispielsweise die Universität Graz an der Nasenspray-Impfung und berichtete am 13. Oktober 2021 über die Entwicklung des neuen Vakzins der Molekularbiolog:innen der Universität Graz, deren Artikel im Fachjournal Frontiers in Microbiology publiziert wurde. Auch das Patent sei bereits angemeldet.

Stefan Schild und sein Team verwendeten die abgeschnürte Außenmembranen von Cholera- und Kolibakterien als Trägermaterial, an die das Covid-19-typische Spike-Protein angebracht wird. Diese werden vom Immunsystem erkannt und es kann Antikörper bilden. Bei Versuchen an Mäusen zeigte sich, dass der Impfstoff ähnlich wirke wie aktuell zugelassene Impfstoffe. Bei dem Impfstoff handelt es sich um ein Subunit-Vakzin, das ein Viruselement, also das Spike-Protein, verwendet und keine abgeschwächten oder abgetöteten Viren.

Um klinische Studien durchführen zu können, seien laut Schild industrielle Partner nötig, die derzeit gesucht werden. Wie lange es tatsächlich dauere, bis der Impfstoff zugelassen werden könnte, könne Schild nicht beantworten. Normalerweise dauert so eine Entwicklung, bis sie alle Stationen durchlaufen hat, etwa zehn Jahre. Das ging bei den Corona-Impfstoffen auch deshalb viel schneller, weil ganz viel Geld dafür in die Hand genommen wurde und mehrere Schritte parallel abgewickelt wurden”, berichtet er bei Der Standard.

Tübingen

Im Universitätsklinikum Tübingen forscht das Team um Professor Ulrich Lauer an einer Corona-Nasenspray-Impfung. Gemeinsam mit Forschenden des Max-Planck-Instituts in Martinsried entwickelten sie einen Impfstoff, der derzeit in der präklinischen Phase ist, bei der er Wirksamkeits- und Sicherheitsuntersuchungen in Zellkulturen und Tierversuchen unterzogen wird. 


Im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung erzählt Lauer, dass der Impfstoff wahrscheinlich ein- bis zweimal verabreicht werden müsse, doch erst durch klinische Studien könne die optimale Anwendung festgelegt und empfohlen werden. “Bei der ersten Impfung lernt das Immunsystem den Eiweißstoff, aus dem die Hülle des Sars-CoV-2-Virus aufgebaut ist, kennen und beginnt innerhalb weniger Tage, Antikörper und Abwehrzellen dagegen zu produzieren. Bei der zweiten Impfung wird dann die Abwehrreaktion massiv verstärkt”, so der Forscher. Lauer vermutet, dass der Nasenspray-Impfstoff 2023 an Menschen probeweise verimpft werden könnte, sodass der Impfstoff 2024 auf dem Markt sein könnte.

Weitere Entwicklungen

In der klinischen Studienphase II befinden sich aktuell zwei Impfstoffkandidaten zur nasalen Anwendung. Zum einen handelt es sich um einen Impfstoff einer Forschergruppe der Universität Hongkong, der Universität Xiamen und der Firma Beijing Wantai Biological Pharmacy, zum anderen um ein Vakzin des kubanischen Center for Genetic Engineering and Biotech (CIGB).

Interessant ist auch die Zusammenarbeit der Universität Oxford mit AstraZeneca. Die Entwickler des Vaxzevria-Impfstoffs arbeiten derzeit ebenfalls an einem vektorbasierten Impfstoff, der sowohl als Nasenspray als auch auch Schluckimpfung gedacht sei und sich in Studienphase I befindet.

Michael Diamond von der Washington University in St. Louis forscht selbst an der Impfung als Nasenspray. Laut ihm sei die Erfahrung mit intranasalen Impfstoffen gering: “Wir haben einen Grippeimpfstoff, mehr nicht. Und das ist ein abgeschwächter Lebendimpfstoff.”

In der Fachzeitschrift Science berichten die beiden Mikrobiologen und Immunologen Frances Lund und Troy Randall darüber, dass diese abgeschwächten Viren der Impfstoffe vermutlich nicht bei Kindern unter zwei Jahren, Personen über 49 Jahren oder immunsupprimierten Menschen eingesetzt werden können, da mit vielen Nebenwirkungen gerechnet werde.

Vorteile der Impfung als Nasenspray


Eine Corona-Impfung per Nasenspray könnte viele Vorteile mit sich bringen. Zum einen wird derzeit geschultes Personal benötigt, um die Spritze zu verabreichen. Die Anwendung als Nasenspray ist hingegen leicht und könnte eigenhändig durchgeführt werden. Auch die Angst vor Spritzen könnte umgangen werden, was sowohl für Erwachsene als auch für Kinder eine Hemmschwelle bedeuten kann. So kann die Impfbereitschaft erhöht werden. Auch als Impf-Booster könnte das Nasenspray gut eingesetzt werden.

Aktuelle Impfstoffe wie die von BioNTech oder Moderna benötigen Kühlketten und müssen individuell aufgezogen werden – das bedeutet dementsprechend logistischen Aufwand. Die Impfung per Nasenspray wäre unabhängiger von Kühlketten und könnte auch in abgelegene und wärmere Orte geliefert werden, zum Beispiel auch in Afrika, wo die Infrastruktur oft weniger gut ist. Das würde die Impfung für viel mehr Menschen zugänglich machen. Ein niederschwelliger Zugang ist wichtig, um möglichst viele Menschen weltweit impfen zu können, sodass Virus-Mutationen in Zukunft vermieden werden können.

Derzeitige mRNA- und Vektor-Impfstoffe werden in einen Muskel gespritzt, während die Impfung als Nasenspray direkt an die Schleimhäute gelangen würde und so für eine langanhaltende Immunität sorgen könnte. Bei aktuellen intramuskulären Impfstoffen lassen die Antikörper in Nasen- und Rachenraum nach einigen Monaten nach, sodass erneute Infektionen, sogenannte Durchbruchsinfektionen, stattfinden können. Zudem könnte es sein, dass mit Nasenspray Geimpfte das Virus nicht mehr übertragen würden.
Die Impfung per Nasenspray würde laut Schild die bereits bestehenden und zugelassenen Impfstoffe ergänzen: “es ist ein weiteres Werkzeug mit anderen Eigenschaften. Man wäre dann breiter aufgestellt und müsste sich nicht auf wenige Vakzine verlassen.” Außerdem könnte das Trägermaterial irgendwann für andere Infektionskrankheiten adaptiert werden, so Schild.

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