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STIKO empfiehlt Corona-Impfung für Kinder ab fünf Jahren mit Vorerkrankungen

Bisher konnten sich nur Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren gegen das Coronavirus impfen lassen. Am 25. November 2021 genehmigte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) den Impfstoff von BioNTech/Pfizer in geringerer Dosis für die Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen in der EU. Gespannt wurde auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gewartet. Am 9. Dezember veröffentlichte sie diese mit Einschränkungen. 

Was bedeutet die Zulassung des Impfstoffs durch die EMA

Die Europäische Arzneimittelagentur veröffentlichte am 25. November die Zulassung von Comirnaty, dem Impfstoff von BioNTech in geringerer Dosis für Kinder ab fünf Jahren. Marco Cavaleri, Leiter der Impfstoffstrategie der EMA, erklärt: “Auch Kinder können von gesundheitlichen Langzeitfolgen nach einer Erkrankung an Covid-19 betroffen sein. Das ist erwiesen, aber wir glauben, dass wir da bisher nur die Spitze des Eisbergs sehen, und auch noch sehr wenig über Long Covid bei Kindern und Jugendlichen wissen. Deshalb bin ich sehr froh, dass das Vakzin des Mainzer Unternehmens BioNTech ab heute auch für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zugelassen ist.”

Laut EMA sei der Impfstoff für Kinder in dieser Altersgruppe wirksam, sicher und verträglich. Nach einer Evaluation der Studie von BioNTech/Pfizer im “New England Journal of Medicine” läge die Impfeffektivität bei 90,7 Prozent – von 1300 Kindern, die an der Studie teilnahmen, erkrankten in der Beobachtungszeit nur 3 der geimpften Kinder, während es in der Placebo-Gruppe 16 Kinder waren.

Trotz der Zulassung durch die EMA orientieren sich viele Ärzt:innen an den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission. Diese überprüft sowohl den Nutzen der Impfung für das Individuum als auch für die gesamte Bevölkerung unter Berücksichtigung der “Kriterien der evi­denz­basierten Me­dizin und analysiert neben den Daten aus der Zulassungsstudie alle zur Verfügung stehende Fachliteratur”, so das RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Wann können die Kinder geimpft werden?

Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnete zunächst mit einem Lieferdatum kurz vor Weihnachten, um den 20. Dezember herum. Dieser Zeitraum sei auch von BioNTech und Vertretern der EU-Kommission besprochen und bestätigt worden. BioNTech konnte nun doch eine Woche früher liefern, und so wurden seit gestern – Montag, den 13. Dezember – die ersten Impfstoff-Mengen ausgeliefert. Dr. Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, spricht von zirka 2,4 Millionen Dosen, die ab dem 13. Dezember bereitstehen sollen. Insgesamt werden 13 Millionen Dosen an die EU geliefert.

In ihrer Empfehlung betont die STIKO, dass “Eltern, Lehrer:innen, Erzieher:innen sowie andere Betreuungspersonen von Kindern und Jugendlichen dringend das Impfangebot inklusive Auffrischimpfung für sich wahrnehmen sollen.”

Was ist bei der Impfung zu beachten?

Für die Altersstufe werden zur Grundimmunisierung zwei Dosen im Abstand von drei bis sechs Wochen verwendet. Diese werden in den Oberarmmuskel gespritzt. Der Unterschied zu den anderen Comirnaty-Impfstoffen ist, dass die Dosierung für unter 12-Jährige niedriger ist. Der Impfstoff enthält nur ein Drittel der Dosis für Erwachsene. Das Vakzin ist so verdünnt, dass die Dosis mit 10 Mikrogramm verabreicht werden kann. Bei den über 12-Jährigen sind es 30 Mikrogramm. Das hat den Vorteil, dass der Impfstoff bis zu zehn Wochen im Kühlschrank gelagert werden kann.

Zu beachten ist, dass die Zulassung des Impfstoffs durch die EMA nur für diese Version des Impfstoffs gilt. BioNTech erklärte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland auf Anfrage hin: „Diese Konzentration kann nicht in der Durchstechflasche des Impfstoffs für Erwachsene zubereitet werden, weil nicht genug Volumen für die entsprechende Verdünnung vorhanden ist.“ Eine Angepasste Dosierung der Impfstoffe ab 12 Jahren würde man als “Off-Label”-Anwendung bezeichnen, was bedeutet, dass die Nutzung außerhalb der behördlichen Zulassung stattfand. Dokumentieren die Ärzt:innen dies und klären ausreichend auf, so ist dies auch erlaubt. Die Eltern würden dann oftmals für das Risiko haften, so das RND.

Die Nebenwirkungen bei Kindern von Fünf bis Elf ähneln denen der über 12-Jährigen: Schmerzen, Schwellungen und Rötungen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen sowie Muskelschmerzen und Schüttelfrost. Laut EMA seien sie leicht bis mittelschwer und würden innerhalb von wenigen Tagen nach der Impfung abklingen. 

“Eine relativ häufig auftretende Impfkomplikation im Zusammenhang mit der Corona-Impfung ist eine Herzmuskel-Entzündung. Sie tritt vor allem bei Menschen unter 30 auf. Bei männlichen Jugendlichen wird das in Deutschland etwa ein Mal pro 12.000 Zweitimpfungen gemeldet, bei Mädchen ist es deutlich seltener”, berichtete die Tagesschau.

Warum empfiehlt die STIKO die Impfung nur Kindern mit Vorerkrankungen?

Prof. Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission, sprach am Donnerstag, den 09. Dezember 2021, die Impfempfehlung der STIKO aus. Empfohlen wird die Impfung Kindern zwischen fünf und elf Jahren, die vorerkrankt sind oder Kontaktpersonen von Risikopatient:innen sind. Gesunde Kinder sollen sich jedoch auf Wunsch auf impfen lassen dürfen, in diesen Fällen müssen die Eltern beziehungsweise Sorgeberechtigten entscheiden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) listet als Vorerkrankungen unter anderem Adipositas, Immunsuppression, angeborene Herzfehler, chronische Lungenerkrankungen, Tumorerkrankungen oder Trisomie 21 auf. 

Laut Mertens im Interview mit dem ZDF sei es ein “erheblicher Unterschied, ob man sozusagen die Impfung ermöglicht oder ob man die Impfung ausdrücklich empfiehlt.” Begründet wird die Entscheidung damit, dass Kinder, die nicht vorerkrankt sind, ein geringes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf hätten. Außerdem gebe es aufgrund der eingeschränkten Datenlage aktuell keine Einschätzung über das Risiko seltener Nebenwirkungen durch die Impfung. Allerdings sei dies noch keine finale Empfehlung, da noch ein Abstimmungsverfahren mit Fachgesellschaften und Ländern liefen und Änderungen möglich wären.

“Zwar ist die 7-Tagesinzidenz in der Altersgruppe sehr hoch, so dass man davon ausgehen kann, dass ohne Impfung ein Großteil der 5- bis 11-Jährigen mittelfristig infiziert werden wird, allerdings verlaufen die meisten Infektionen asymptomatisch. Derzeit besteht für Kinder ohne Vorerkrankungen in dieser Altersgruppe nur ein geringes Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung, Hospitalisierung und Intensivbehandlung”, so die Pressemitteilung der STIKO.

Mertens stellt verunsichernde Aussage klar

Auch stellte Mertens im ZDF-Interview eine seiner Aussagen, die er im FAZ-Podcast machte, richtig. So sei er am Ende eines langen Interviews gefragt worden, ob er – hätte er ein sieben- oder achtjähriges Kind – es derzeit gegen Corona impfen lassen würde. Er antwortete mit einem “Nein”, derzeit würde er es wahrscheinlich nicht impfen lassen. Das sorgte bei vielen Zuschauer:innen für Verunsicherung. Laut Mertens sei die Aussage aus dem Kontext gerissen worden, er meinte sie: “im Zusammenhang mit der geklärten Tatsache, dass es keinen für Kinder konfektionierten Impfstoff gab und der Tatsache, dass es auch noch keine endgültige Empfehlung der Impfung durch die STIKO gab”.

Wie sieht die Lage in anderen Ländern aus?

In Ländern wie der USA, Kanada oder Israel ist die Impfung für Fünf- bis Elfjährige bereits möglich. Die USA impft die Altersgruppe nach der Zulassung durch die Arzneimittelbehörde FDA bereits seit Ende Oktober und es sind etwa fünf Millionen Impfungen zu verzeichnen. Laut der FDA falle die Nutzen-Risiko-Bilanz positiv aus. Das ZDF berichtete: “Jene Fünf- bis Elfjährigen, die mit einer Covid-19-Infektion in eine Klinik eingeliefert würden, seien tendenziell kränker und länger angeschlagen als Kinder, die beispielsweise mit einer Herzmuskelentzündung eingewiesen würden. Außerdem fehlten bislang jegliche Hinweise darauf, dass die Impfungen bei Fünf- bis Elfjährigen eine solche Herzerkrankung auslösen könnten.” 

In Israel und Kanada begann die Impfung für Kinder ab 5 Jahren am Dienstag, den 23. November mit dem Impfstoff von BioNTech. Am 7.12. teilten die Gesundheitsministerien in Madrid und Lissabon mit, dass die zuständige Kommission die Impfung von Fünf- bis Elfjährigen gegen Covid-19 genehmigte. So kann die Altersgruppe künftig mit dem dafür hergestellten Impfstoff von BioNTech/Pfizer in Spanien und Portugal geimpft werden.

Mit chinesischen Impfstoffen werden Kinder unter 12 Jahren ebenfalls schon in China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kambodscha und Kolumbien immunisiert. Indonesien beginnt laut Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums am 14. Dezember mit den Impfungen der Kinder ab sechs Jahren. Verwendet wird dort der chinesische Impfstoff von Sinovac Biotech.

In Kuba werden Kinder im Alter von zwei bis elf Jahren bereits seit Anfang September geimpft.

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