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Corona-Herbst an Schulen

Die Herbstferien in Deutschland sind in vollem Gange. Während Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern schon Anfang Oktober in die Herbstferien starteten, bilden Bundesländer wie Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern die Schlusslichter. Die Inzidenzzahlen steigen immer weiter an. Haben die Herbstferien damit etwas zu tun und wie sieht die Lage in den Schulen nach den Ferien aus?

Warnung vor Corona-Ausbrüchen an Schulen

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, prognostiziert nach den Herbstferien deutlich mehr Corona-Ausbrüche an Schulen. Um die “unkontrollierte Pandemie an Schulen” zu beenden, fordert er eine Test-Strategie, die bundesweit einheitlich ist.

Lauterbach ist der Meinung, dass die Schulkinder nach den Herbstferien nicht lange lüften können würden. Er habe Mitleid mit ihnen, da sie einem Long-Covid-Risiko ausgesetzt seien. Würde man seiner Meinung nach aufhören, Corona-Tests an Schulen durchzuführen, wäre das mit einem “Beschluss zur Durchseuchung” gleichzusetzen.

Seine Forderung lautet: es soll dreimal die Woche getestet werden. “Morgens mit Antigen-Tests, weil diese die vorherrschende Delta-Variante sehr zuverlässig erfassen.”  Des Weiteren fordert er, dass Kontaktpersonen von Infizierten fünf Tage hintereinander getestet werden, denn so müssten Kinder, die Kontakt mit Infizierten hätten, nicht in Quarantäne. 

Dass an vielen Stellen nun aufgehört werde zu testen, halte er für “vollkommen unvertretbar”. „Auch in den Betrieben wird es Ansteckungsketten geben. Dasselbe gilt für Bars und Restaurants. Wir haben einen kontinuierlichen Anstieg zu erwarten.“, warnt Lauterbach.

Schulen gut auf Corona-Herbst vorbereitet?

Maike Finnern ist die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie sieht die Schulen für den Corona-Herbst gut vorbereitet, da diese bundesweit gesundheitspräventiv besser aufgestellt seien als letztes Jahr. Die Beschäftigten an Schulen weisen eine überdurchschnittlich hohe Impfquote auf und es gelten weiterhin Maßnahmen wie die Einhaltung von Abstandsregeln, das Händewaschen und das Maskentragen. „Wird der Präventionsweg weiter konsequent beschritten, können die Schulen geöffnet bleiben“, so Finnern. Jedoch kritisiert sie die fehlenden Luftfiltern an vielen Schulen.

Trotz Corona-Herbst nicht überall Maskenpflicht?

Nordrhein-Westfalen

Die Corona-Maßnahmen an Schulen sehen von Bundesland zu Bundesland verschieden aus. In Nordrhein-Westfalen setzt Schulministerin Yvonne Gebauer die Maskenpflicht im Unterricht für alle Jahrgangsstufen ab dem 2. November 2021 ab. Sie rechtfertigt dies mit den hohen Impfquoten der Lehrkräfte und der Rückkehr zur Normalität.

Die Herbstferien sind dort seit dem 24. Oktober vorbei. Sobald die Schüler:innen von ihrem Sitzplatz aufstehen, werden sie ihre Masken wieder aufsetzen müssen. Auf dem Schulhof gelte die Maskenpflicht schon seit längerem nicht mehr. Auch Lehrer dürfen in Zukunft bei Einhaltung des Mindestabstands die Maske im Unterricht absetzen.

Der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Stefan Behlau, sieht die Aufhebung der Maskenpflicht der Schüler:innen an ihren Sitzplätzen als eine zweifelsfreie Erleichterung, doch die Situation müsse auch künftig im Blick behalten werden.

Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz hingegen begann der Start in den Schulalltag nach den Herbstferien mit zweiwöchigen “Präventionswochen”. So sollen in dieser Zeit zwei Tests pro Woche durchgeführt werden, ab dem 8. November 2021 wird wieder ein Corona-Test pro Woche stattfinden. 

Die Maskenpflicht in Rheinland-Pfalz richtet sich nach der aktuellen Warnstufe. Bei Warnstufe 1 herrscht im Gebäude eine Maskenpflicht, allerdings nicht am Sitzplatz. In weiterführenden Schulen muss die Maske bei Warnstufe 2 auch am Sitzplatz während des Unterrichts getragen werden. Warnstufe 3 macht die Masken auch für Kinder der Grundschulen im Unterricht verpflichtend.

Treten Infektionsfälle an einer Schule auf, müssen nur die betroffenen Schüler:innen in Quarantäne, alle anderen müssen für die Dauer von fünf Schultagen Schnelltests durchführen und Masken tragen.

Berlin

In Berlin fanden die Herbstferien vom 11. bis zum 23. Oktober 2021 statt. Am Dienstag, den 26. Oktober verkündete ein Sprecher der Bildungssenatorin Sandra Scheers, dass die Makenpflicht ab der 7. Klasse weiterhin bestehen bleibe, Grundschüler:innen allerdings weiter ohne Masken am Unterricht teilnehmen dürfen.

Eine neue Bewertung der Lage soll zwei Wochen später erfolgen. In den ersten zwei Wochen nach den Herbstferien werden Berliner Schüler:innen drei Mal die Woche auf das Coronavirus getestet, danach sollen zwei Tests die Woche stattfinden.

Bayern

In bayerischen Schulen gilt die Maskenpflicht im Unterricht seit dem 4. Oktober 2021 nicht mehr. Schon vor den bayerischen Herbstferien, die vom 2. bis zum 5. Oktober stattfinden, steigen die Inzidenzzahlen der unter 18-Jährigen rapide an. Erst um die 40 Prozent der 12- bis 17-Jährigen in Bayern sind vollständig geimpft.

Kritik zur Aufhebung der Maskenpflicht

Karl Lauterbach warnte davor, die Maskenpflicht abzusetzen. Sie seien ein wichtiger Faktor zum Überstehen der vierten Welle ohne Lockdown. Lauterbach befürchte, dass ohne die Masken und ohne ausreichende Tests ein Schulausfall aufgrund zu hoher Fallzahlen drohe. Masken seien deshalb eine bessere Option als die Schulschließung, die für die Kinder und Jugendlichen mehr problematische Konsequenzen hätte.

Auch der Deutsche Lehrerverband (DL) fordert, dass Masken im Unterricht wieder verpflichtend werden. Argumente liefert vor allem die steigenden Infektionszahlen sowie die bis jetzt fehlende Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission für Kinder unter zwölf Jahren. Der Verbandspräsident, Heinz-Peter Meidinger, fordere eine dringende Wiedereinführung der Maskenpflicht für Grundschulen. Zudem soll eine erneute Schulschließung “unter allen Umständen” vermieden werden.
Verbands-Vorsitzender des lehrer nrw e.V., Sven Christoffer, bezeichnete den Beschluss in NRW als “hochgradig riskant”, da alle Personen, die am Schulleben beteiligt seien somit einem hohen Risiko ausgesetzt werden. Der Gesundheitsschutz dürfe nicht unter der “in Aussicht gestellte[n] Rückkehr zur Normalität” leiden.

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