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Covid-19: Die aktuelle Lage in Osteuropa

Vor Kurzem berichteten wir über die Lockerung der Corona-Maßnahmen, dem sogenannten Freedom Day, in vielen europäischen Ländern. Vor allem in Nordeuropa, also in Dänemark, Norwegen und Schweden, besserte sich die Gesamtlage: Die Impfquoten stiegen, die Hospitalisierungs- und Inzidenzwerte blieben relativ konstant. Doch wie sieht die Lage im Osten Europas und darüber hinaus aus? 

Lettland im Lockdown

Das osteuropäische Land geht bis zum 15. November 2021 in den Lockdown und ruft den Gesundheitsnotstand aus, denn die Lage ist sehr angespannt. Das Land mit einer Bevölkerungszahl von 1,9 Millionen hat aktuell eine 7-Tage-Inzidenz von 854,8 und musste im Laufe der Pandemie ca. 2967 Todesfälle verzeichnen. Insgesamt sind 50,68 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Seit gestern ist das Land wieder im Lockdown, der vier Wochen andauern soll, um die Infektionskette zu unterbrechen. In einer Sitzung beschloss die lettische Regierung die im Lockdown geltenden Corona-Maßnahmen. Neben abendlichen und nächtlichen Ausgangssperren werden Veranstaltungen im Kultur- und Sportbereich abgesagt und Bars, Clubs und Restaurants sowie die meisten Geschäfte geschlossen. Offen bleiben nur Geschäfte für den täglichen Bedarf. Versammlungen sind in dieser Zeit komplett verboten. Zudem sollen Schulen Fernunterricht durchführen und viele Arbeitnehmer:innen aus dem Homeoffice arbeiten.

Die Chefärztin des Universitätskrankenhauses in Riga, Eva Strike, erklärt in einem Beitrag des lettischen Fernsehens, dass seit dem Anfang der Pandemie die Lage noch nie so angespannt gewesen sei wie aktuell. Ein Problem sei vor allem das fehlende Personal. Die Chefärztin sei sich nicht sicher, ob bald Familien oder Freiwillige mithelfen müssen, die Patient:innen zu versorgen. Mit den Maßnahmen, soll die “furchtbare Überlastung” des Gesundheitswesens reduziert werden, so Ministerpräsident Krisjanis Karins.

Gesundheitsminister Daniels Pavluts entschuldigte sich öffentlich bei allen Personen, die geimpft seien, für die Corona-Maßnahmen und gesteht die Schuld der Regierung an der niedrigen Impfquote ein. In mehreren Krankenhäusern des Landes seien die Intensivbetten, die schwerstkranken Corona-Patient:innen zur Verfügung stehen, aktuell vollständig belegt, so Pavluts. Obwohl die Regierung im Sommer 2021 eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen im Gesundheits- und Bildungssektor eingeführt hatte, ist die Impfquote unterdurchschnittlich. 

Auch Russland führt den Lockdown in Moskau ein

Der Lockdown in Moskau soll am 28. Oktober 2021 beginnen und bis zum 7. November 2021 andauern. Die Maßnahmen sehen die Schließungen von Geschäften, Bars und Restaurants vor. Auch Fitnessstudios und andere Sport- und Freizeiteinrichtungen sowie Schönheitssalons müssen schließen. Ausgenommen sind auch hier wie in Lettland Geschäfte des täglichen Bedarfs, also Supermärkte und Apotheken. Für Schulen und Kindergärten soll eine Ferienregelung in Kraft treten. In der Hauptstadt soll die Impfpflicht für Behördenmitarbeiter zudem ausgeweitet werden.

Grund für den Lockdown sind die hohen Infektionszahlen in Russland. Ungeimpfte Personen über 60 Jahren und chronisch Erkrankte dürfen sogar bis 25. Februar 2022 ihr Zuhause nicht verlassen. Eine Quarantäne-Pflicht gelte laut Bürgermeister Sergeij Sobjanin auch mindestens vier Monate lang.

Das Land hat knapp 145.912.000 Einwohner, kämpft derzeit mit einer 7-Tage-Inzidenz von 159 und hat seit Beginn der Pandemie 223.331 Todesfälle durch Corona zu verzeichnen. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen. Nur 32,5 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft.

An nur einem Tag wurden aktuell mehr als 27.000 Menschen positiv getestet. 5.404 Fälle davon gab es allein in Moskau. Die Regierung, unter anderem Gesundheitsminister Michail Muraschko, sehe die Verantwortung dafür in der mangelnden Impfbereitschaft der Bevölkerung

Präsident Wladimir Putin rief aufgrund der aktuellen Situation landesweit “arbeitsfreie Tage” aus. Diese sollen vom 30. Oktober 2021 bis zum 07. November 2021 andauern. Die Arbeitnehmer:innen sollen in dieser Zeit weiterhin ihren Lohn erhalten. Zwei zusätzliche Tage sollen impfwilligen Personen gestattet werden. Den Regionen sei es selbst überlassen, ob sie den Personen den Urlaub früher zuweisen und nur geimpften und genesenen Mitarbeiter:innen Zugang zu ihrem Arbeitsplatz gewähren. 

Doch warum möchte die russische Bevölkerung sich nicht impfen lassen? 

Im Frühjahr 2020, zu Beginn der Pandemie, rief die Regierung harte Corona-Maßnahmen aus, doch es folgte eine höhere Arbeitslosenquote, sodass im Zuge dessen die Maßnahmen aufgehoben und die Impfkampagne beworben wurde. Doch die Bevölkerung ließ sich davon nicht beeindrucken.

Der Soziologe Lew Gudkow begründet dies mit dem Misstrauen sowohl gegenüber der Obrigkeit als auch gegenüber des Impfstoffs Sputnik V. Laut ihm beträfe dies vor allem junge Frauen, die normalerweise großen Wert auf ihre Gesundheit legen würden. Gudkow ergänzt: „Wenn der Staat etwas laut propagiert, befürchten die Leute nur Schlechtes.“

Der Zwangsurlaub als Corona-Maßnahme wurde in Russland mittlerweile schon öfter eingesetzt, jedoch mussten die Menschen in dieser Zeit auf ihr Gehalt verzichten.
Das steigert nicht nur die Armut, sondern auch die Unzufriedenheit und das Misstrauen.

Währenddessen fordert Präsident Putin weiterhin zum Impfen auf: “Bitte zeigen Sie Verantwortung.”

Wie sieht die Lage in anderen osteuropäischen Ländern aus?

In Rumänien sind vergangen Mittwoch, den 19. Oktober 2021 574 Menschen coronabedingt verstorben. Nur 29,87 Prozent der 19,29 Millionen Bürger:innen sind vollständig geimpft. Die Ärztin Victoria Arama aus Bukarest beschreibt die Lage in den rumänischen Krankenhäusern als apokalyptisch und erzählt von Corona-Patient:innen, die auf den Gängen der Kliniken um Sauerstoffgeräte gestritten hätten. 

Die Ukraine mit 44,13 Millionen Einwohner:innen verzeichnete am Mittwoch, den 19. Oktober, 562 Corona-Tote. Die Impfquote bei den vollständig Geimpften liegt nur bei 15,51 Prozent.

Aktuell verdoppelt sich die Zahl der Neuinfektionen in Polen wöchentlich, berichtet Gesundheitsminister Adam Niedzielski. Der 7-Tage-Inzidenzwert liegt derzeit bei 66,5 und es sind 52,32 Prozent der polnischen Bevölkerung vollständig geimpft. Das Land mit 37,95 Millionen Einwohnern verzeichnet gerade 76.300 Covid-19-Tote.

Neben Lettland sind auch die zwei weiteren baltischen Staaten Litauen und Estland enorm von der Pandemie betroffen. Der Wissenschaftler Rimas Jankunas von der Universität in Kaunas berichtet über eine Umfrage, die zeigt, dass die meisten Litauer:innen die Politik und deren Maßnahmen kritisieren. Die niedrigen Impfquoten führt er auf diese Umfragewerte zurück. Litauen mit seinen 2,79 Millionen Einwohner:innen hat derzeit einen Inzidenzwert von 694,3. Die coronabedingten Tode liegen bei 5.544 Fällen und die Impfquote bei den vollständig geimpften Personen liegt bei 61,16 Prozent.

In Estland sieht die Lage kaum anders aus. 1,33 Millionen Personen bevölkern das Land, 55,22 Prozent davon haben eine vollständige Impfung erhalten. Die 7-Tage-Inzidenz ist bei einem Stand von 634,1 und Tode im Zusammenhang mit Corona gab es seit Anbeginn der Pandemie 1.444.

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