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STIKO-Empfehlung: Covid-19 Impfung für Kinder und Schwangere

In Deutschland gab die Ständige Impfkommission (STIKO) Mitte August eine Impfempfehlung für Kinder zwischen 12 und 17 Jahren heraus. Seit neustem empfiehlt die STIKO zudem Schwangeren und Stillenden eine Impfung gegen Covid-19. Noch fehlt allerdings eine weitere große gesellschaftliche Gruppe: Kinder zwischen fünf und 12 Jahren. Für sie gibt es bislang noch keine Impfempfehlung. Wir haben die Informationen zur aktuellen Situation der beiden Gruppen für Sie zusammengefasst.

STIKO empfiehlt Impfungen von 12- bis 17-jährigen Kindern und Jugendlichen

Am 16.08.2021 sprach die STIKO ihre offizielle Empfehlung aus, 12- bis 17-Jährige Kinder und Jugendliche gegen das Coronavirus impfen zu lassen, da die “Vorteile der Corona-Impfung gegenüber dem Risiko seltener Nebenwirkungen der Impfung überwiegen”. Als Impfstoff werden die mRNA-Vakzine Spikevax von Moderna oder Comirnaty von BioNTech/Pfizer empfohlen. Laut RKI sind aktuell 32,7 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe geimpft

BioNTech/Pfizer möchten Zulassung für unter 12-Jährige beantragen

Die Ergebnisse der Zulassungsstudie für die Verwendung des Impfstoffs Comirnaty bei unter 12-Jährigen wurde mittlerweile ausgewertet. Den neuesten Studien des Mainzer Pharmaunternehmens BioNTech/Pfizer zufolge sei der Comirnaty-Impfstoff auch bei fünf- bis elfjährigen Kindern wirksam und sicher.

Die 2268 Kinder im Alter zwischen Fünf und Elf erhielten ein Drittel der Dosis, die ab 12 Jahren verimpft wird. Es fanden zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen statt und der Impfstoff zeigte “robuste neutralisierende Antikörperreaktionen”, so das Unternehmen.

Die Daten sollen laut Ugur Sahin, Mitbegründer von BioNTech, noch diesen Herbst den Zulassungsbehörden vorgelegt werden. Auch bei der US-Arzneimittelbehörde FDA möchte das Unternehmen eine Notfallzulassung “so bald wie möglich” beantragen, so BioNTech/Pfizer.

Auch das Biotechnologieunternehmen Moderna überprüft gerade den Einsatz seines Impfstoffs bei Kindern im Grundschulalter. Gesundheitsminister Jens Spahn erwartet die Zulassung für Kinder zwischen fünf und 12 Jahren Anfang 2022. Man könnte laut ihm dann auch die Kinder noch besser schützen. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass eine “Empfehlung der Ständigen Impfkommission […] auch in diesem Fall zeitlich etwas später kommen [wird].”

Was ist mit Kindern unter 5 Jahren?

Auch für sie sollen bald Impfstoffe zugelassen sein. Darauf hofft zumindest Albert Bourla, Chef von Pfizer, Ihm zufolge sind die Ergebnisse der Studiendaten zur Impfung für Kinder zwischen Fünf und 12 eine “solide Grundlage” für eine Zulassung des Impfstoffs für nochmals jüngere Kinder. Die dafür nötigen Studienergebnisse erwartet BioNTech/Pfizer bis Ende des Jahres. Dort soll die Impfdosis noch niedriger sein. Eine Impfung auch für jüngere Kinder sehe Bourla als “dringlich”, da auch sie mit der sich ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus konfrontiert seien.

Wer trifft die Entscheidung zur Impfung für Kinder? 

Bei Kindern, die unter 14 Jahren alt sind, müssen beide Elternteile beziehungsweise Sorgeberechtigte einer Impfung zustimmen. Ab einem Alter von 14 bis 16 Jahren ist die Impfung ohne Einwilligung der Eltern oder Sorgeberechtigten nur möglich, wenn dies ärztlich genehmigt wurde. Für Jugendliche ab 16 Jahren ist eine Zustimmung der Sorgeberechtigten oder Eltern nicht zwingend nötig.

STIKO empfiehlt Impfungen für Schwangere und Stillende

700.000 bis 800.000 Schwangere gibt es in Deutschland jährlich. Am 17.09.2021 aktualisierte die Ständige Impfkommission ihre Impfempfehlung für Schwangere ab der 13. Schwangerschaftswoche beziehungsweise dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, die bisher nicht geimpft oder unvollständig geimpft sind. Auch für Stillende gilt die Empfehlung nach aktuellem Stand. Die kürzliche Empfehlung der STIKO erfolgte, da die Datenlage nun ausreichend und systematisch aufgearbeitet ist. Durch die derzeit dominierende Delta-Variante und ihre hohe Übertragbarkeit sind ungeimpfte Schwangere laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vermutlich stärker gefährdet als durch vorherige Varianten.

Mit der Impfung sollen zum einen schwere Krankheitsverläufe sowie Todesfälle verhindert werden, zum anderen sollen Komplikationen während der Schwangerschaft beziehungsweise in der Stillzeit verhindert werden. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ergaben Studien, dass ungeborene Kinder die mütterlichen Antikörper, die bei der Mutter aufgrund der Impfung zum Schutz gegen das Virus entstehen, übertragen bekommen. Auch sind in der Muttermilch von geimpften Stillenden in zunehmendem Maß Antikörper gegen Covid-19 nachweisbar. Ob in beiden Fällen eine schützende Wirkung auf den Säugling entsteht ist bislang allerdings noch nicht belegt.

Die Schutzimpfung soll mit einem mRNA-Impfstoff erfolgen. Für ungeimpfte Personen sind zwei Dosen vorgesehen. Bei Verwendung des Comirnaty-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer liegen zwischen den Impfungen drei bis sechs Wochen. Bei Spikevax von Moderna sind es vier bis sechs Wochen. Eine einmalige weitere Impfung mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe erfolgt bei bisher einmal Geimpften.

Was bedeutet das für Schwangere im ersten Trimester?

Erfolgte eine Impfung während des ersten Schwangerschaftsdrittels (einschließlich der zwölften Schwangerschaftswoche), stellt dies keinen Grund für einen Schwangerschaftsabbruch dar, so die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. Die STIKO-Empfehlung wurde erst ab dem zweiten Schwangerschaftstrimester ausgesprochen, da es für das erste Trimester noch zu wenige Daten über die Auswirkungen der Schutzimpfung bei Schwangeren gebe. Der Bayerische Rundfunk berichtet, dass die ersten Daten zur Auswirkung von Covid-19-Impfungen bei Schwangeren zufällig erhoben wurden, da die Schwangerschaft den Betroffenen zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst war.

Sind ungeimpfte Schwangere besonders gefährdet? 

Die STIKO empfiehlt ausdrücklich allen Frauen im gebärfähigen Alter eine Covid-19-Impfung – insbesondere, wenn ein Kinderwunsch besteht oder gar eine Schwangerschaft geplant ist. Denn bisher zeigen Studien, dass gerade bei einer Schwangerschaft das Risiko für einen schweren Verlauf, insbesondere in Kombination mit weiteren Risikofaktoren wie Adipositas, Diabetes oder Bluthochdruck, steigt. Die Impfung gegen Covid-19 schützt Schwangere und Stillende sehr gut vor schweren Krankheitsverläufen mit Krankenhausaufenthalt. Zudem erlitten Schwangere mit nachgewiesener Erkrankung an Covid häufiger Schwangerschaftsvergiftungen als Nicht-Infizierte.

Hingegen gibt es keine Hinweise auf “ein gehäuftes Auftreten von schweren schwangerschaftsbezogenen Nebenwirkungen, insbesondere nicht von Frühgeburten, Totgeburten oder Fehlbildungen.” Auch in Studien, die sich auf die Stillzeit beziehen, gibt es keine Hinweise auf Risiken für Mutter und Kind.

Die Impfung führt auch nicht zur Unfruchtbarkeit. Impfstoffe werden vor ihrer Zulassung immer ausgiebig geprüft. Dass Frauen aufgrund der Covid-19 Impfung unfruchtbar werden ist nicht nachgewiesen. Deshalb kann die Aussage, die für viel Unsicherheit sorgt, als Gerücht in den sozialen Medien bezeichnet werden.