Wie erkennen Kunden seriöse Testzentren? – Interview mit Nicolai Despot

Coronatests sind einer der Eckpfeiler der deutschen Teststrategie. Doch zahlreiche Skandale haben in den letzten Monaten bei den Bevölkerung zu Verunsicherung geführt, wie seriös viele Testzentren tatsächlich sind und wie zuverlässig die Testergebnisse. 

Mit uns heute im Interview Interview Nicolai Despot, Schulungsleiter bei Coronatest.de, die deutschlandweit mehr als 30 Teststationen betreibt. 

Herr Despot, als es mit Coronatest.de begann, wie schwer war es die behördlichen Auflagen zu erfüllen? 

ND: Um ein Testzentrum zu eröffnen, muss eine lange Checkliste eingehalten werden. Natürlich muss ein schriftliches Hygienekonzept vorliegen, aber das ist noch lange nicht alles. 

Verschiedene Bereiche müssen klar beschildert und gekennzeichnet sein, um Besucherströme so zu lenken, dass der Mindestabstand durchgehend gewährleistet ist.

Neben dem Hygienekonzept, muss aber auch ein Lüftungskonzept vorliegen, das Personal selbst muss geschult werden und in den Arbeitsbereichen jederzeit Schutzausrüstung tragen und auch die für Entsorgung des Verbrauchsmaterials gibt es klare Regeln – und das waren jetzt nur einige Punkte von vielen weiteren. Sie sehen also, dass es eine Menge zu beachten gilt   

Reichen die staatlichen Kontrollen ihrer Meinung nach aus, um die Qualitätsstandards in den Schnelltest-Zentren zu sichern? 

ND:   Mit den Kontrollen sprechen Sie direkt mit das größte Problem bei den Testzentren an. Es ist nämlich so, dass es keine Einheitliche Linie bei den Kontrollen gibt. Beispielsweise gibt es in Niedersachsen und Baden-Württemberg zumindest anlassbezogene Kontrollen, aber in Bundesländern wie Thüringen hat es bisher keine Kontrollen bei den Testzentren gegeben und in Sachsen-Anhalt waren sogar nie Kontrollen vorgesehen. In NRW bekommen sie als Betreiber 1.000€ Zuschuss im Monat einfach so.

Das lockt natürlich Betrüger, die mit mangelhaft ausgestatteten Testzentren auf schnelles Geld aus sind. Man hört ja immer mal wieder in den Medien von Skandalen, bei denen es zu schwerwiegende Regelverstößen in Testzentren kommt, hauptsächlich um die Kosten niedrig zu halten. Das ist natürlich eine Absolute Katastrophe, da es in erster Linie um die Gesundheit der Bürger gehen sollte. Natürlich leiden auch wir indirekt unter dem so beschädigten Image von Testzentren allgemein. 

Schauen Sie sich regelmäßig andere Teststationen an? Was fällt ihnen auf?

ND:  ”Leider kommt es immer wieder zu Fehlern beim Testen selbst durch nicht bzw. nicht ausreichend geschultes Personal. In Rheinland-Pfalz sind Sie schon durch das anschauen eines Schulungsvideos zum testen berechtigt. Sie können sich vorstellen, was das für Folgen hat. Wenn sie auf Youtube ein Video anschauen, um jonglieren zu lernen, werden sie ja durch bloßes anschauen nicht automatisch  zum Artisten. 

Neben mangelnder Durchführung des Abstrichs selbst, kommt es außerdem immer wieder vor, dass die Schutzkleidung fehlerhaft ist oder unvollständig und in machen fällen erst gar nicht getragen wird. 

Sie sehen also: Viele Fehlerquellen liegen leider am Personal selbst. Hier muss man mit verpflichtenden Schulungen und schärferen Kontrollen reagieren. 

Wie erkennt man als Kunde einen seriösen Anbieter von Corona-Schnelltests? 

ND:   Das ist tatsächlich nicht immer einfach. Trotzdem gibt es einige Dinge auf die man als Kunde achten kann. Arbeitet das Testzentrum mit Ärzten oder Laboren zusammen, die auch auf der Seite genannte werden? Ist die Station in offiziellen Listen aufgeführt, beispielsweise bei den Gemeinden? Gibt es einen Onlineauftritt oder ein Terminbuchungssystem? Das spricht ja dafür, dass nicht nur schnell schnell eine Station eröffnet wurde.

Viele Dinge sieht der Kunde aber auch erst vor Ort. Trägt das Personal Schutzausrüstung, werden die Abstände im Wartebereich eingehalten? 

Natürlich geht es in vielen Testzentren ein bisschen improvisiert zu. Trotzdem müssen die Grundvoraussetzungen stimmen. 

Ist es ein Qualitätsmerkmal, wenn ein Testzentrum nicht nur Schnelltests, sondern auch PCR-Tests und PCR-Schnelltests anbietet?

ND:   Ja Absolut. Der Verwaltungsaufwand ist um einiges höher und man braucht ein zertifiziertes Labor für die Zusammenarbeit. Außerdem müssen die Mitarbeiter auf diese zweite Testmethode separat geschult werden. Zum schnellen Geldverdienen sind PCR-Tests daher nicht geeignet. 

Die Durchführung von Antigen-Schnelltests wirkt von außen relativ einfach. Welche Fehler können dabei gemacht werden? 

ND: Das Teststäbchen, die Testlösung usw. sollten erst unmittelbar vor der Anwendung geöffnet werden, um Verunreinigungen zu vermeiden. Außerdem darf die vom Hersteller des Tests angegebene Ablesezeit nicht überschritten werden. Doch die meisten Fehler entstehen schon vorher, beispielsweise wenn sie zu warm gelagert werden, oder der Abstrich nicht weit genug hinten genommen wird“

Wie schulen Sie ihr Personal, damit genau das nicht vorkommt? 

ND: “Wie gerade eben festgestellt ist eine umfassende Personalschulung das wichtigste, um die Qualitäts- und Hygienestandards zu gewährleisten. Wir schulen in einer 5-6 stündigen Präsenzschulung. Von Onlineschulungen halten wir nichts. Am Ende prüft ein Arzt jeden neuen Mitarbeiter, damit dieser den Abstrich auch richtig durchführt. In Ihren Ersten Tagen arbeiten neue Mitarbeiter zusätzlich noch mit einem erfahrenen Kollegen in der Schicht, um zu gucken und zu lernen.  

Besonders die betrügerische Abrechnungspraxis vieler Schnelltests-Zentren erzeugte in den letzten Wochen Unmut. Wird es Anbietern  zu leicht gemacht? 

ND: Leider muss ich auch das bejahen. In vielen Bundesländern müssen Schnelltestzentren nur die Anzahl der durchgeführten Tests melden und erhalten anhand dessen die Bezahlung. Ein Nachweis, dass die Tests tatsächlich stattgefunden haben, ist nicht nötig. 

Zur Begründung für die mangelnden Kontrollmöglichkeiten wird oft gesagt, man habe sehr schnell die Testkapazitäten aufbauen müssen. Teile Sie die Ansicht?

ND: Es hätte durchaus einfache Kontrollmöglichkeiten gegeben. Wir müssen beispielsweise die Personalien der Getesteten sowieso aufnehmen, da wir verpflichtet sind, positive Testergebnisse an die Gesundheitsämter zu melden. Das ist natürlich auch eine Frage für Datenschutzanwälte, aber es hätte sicherlich einen Weg gegeben. 

Was könnte der Staat aus Ihrer Sicht tun, um Betrug  mit Corona-Tests zu verhindern, ohne dass der Aufwand in den Testzentren unüberschaubar wird? 

ND: Die Personenerfassung ist natürlich ein Ansatz. Doch oft hätte es auch schon gereicht, wenn Anbieter hätten nachweisen müssen, dass sie auch so viele Tests gekauft haben, wie sie angeblich durchgeführt haben.  

Was würden Sie sich generell wünschen, um die Qualität der Corona-Testung in Deutschland zu verbessern? 

ND: Klare Zuständigkeiten wären ein Anfang, außerdem einheitliche Regelungen für alle Bundesländer. Das würde uns als Betreibern die Planung deutlich erleichtern. Wir hätten auch nichts gegen mehr Kontrollen einzuwenden. Wir haben viel Arbeit und auch Geld investiert, um eine optimale Testung in unseren Stationen zu garantieren und alle Auflagen einzuhalten. Trotzdem trifft der Vertrauensverlust natürlich auch uns. Das müsste nicht sein. 

Herr Despot, wir danken für dieses Gespräch.