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Welche Möglichkeiten hat man zum Reiserücktritt wegen Corona?

Die neue Reisefreiheit ist zurück: Die Inzidenzen sind in ganz Deutschland erfreulicherweise rapide gesunken, es kann wieder Urlaub in anderen Regionen gemacht werden. Doch was sollte man bei der Buchung berücksichtigen? Wohin darf man überhaupt reisen? Sollten am Urlaubsziel die Inzidenzen steigen, welche Möglichkeiten hat man im Moment zum Reiserücktritt wegen Corona? Und wie kommt man unter Umständen an sein Geld?

Trotz Corona: Wohin darf ich reisen?

Reisen in der EU und in eng mit der Union verbundene europäische Staaten sind generell möglich. Andere Urlaubsländer regeln selbst, unter welchen Voraussetzungen sie Einreisen erlauben. Gesundheitsminister Jens Spahn warnte allerdings vor Reiseländern, die von der Delta-Variante bereits stark betroffen sind. Während in Deutschland die Ausbreitung der Delta- und Delta-Plus-Variante zwar am Steigen, aber noch halbwegs unter Kontrolle ist, sind die Fallzahlen in Ländern wie Portugal oder Großbritannien schon recht hoch. Dort sei das Risiko, sich anzustecken und die Virusvariante nach Hause zu bringen, deutlich größer, so Spahn.

Welche Vorschriften bei einer Wiedereinreise gelten, hat die Bundesregierung kürzlich neu geregelt: Entscheidend ist die Corona-Lage im Urlaubsland. Eine aktuelle Liste stellt das Auswärtige Amt (www.auswaertiges-amt.de) zur Verfügung. Innerhalb Deutschlands gelten die Corona-Regeln der Bundesländer (www.bundesregierung.de).

• Hochinzidenzgebiet: Bei der Rückkehr aus einem Hochinzidenzgebiet müssen ein negativer Coronatest, ein Impf- oder Genesenennachweis vorliegen. Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss sich nach der Rückkehr zehn Tage in  Quarantäne begebenAb dem fünften Tag nach der Einreise kann man die Quarantäne jedoch beenden, wenn ein Coronatest negativ negativ ausfällt („Freitesten“). Die Nachweise müssen jeweils ins Einreiseportal hochgeladen werden.

• Einfaches Risikogebiet: Wer aus einem einfachen Risikogebiet nach Deutschland kommt, muss spätestens 48 Stunden nach der Einreise ein negatives Testergebnis, einen Impf- oder Genesenennachweis im Einreiseportal hochladen. Bis dahin gilt auch für diese Reisende eine Quarantänepflicht.

• Virusvarianten-Gebiet: Wer aus einem Virusvariantengebiet nach Deutschland kommt, muss sich 15 Tage in Quarantäne begeben und hat keine Möglichkeit, sich freitesten zu lassen. Damit will die Politik eine Verbreitung ansteckender Varianten bremsen, wie etwa der in Großbritannien dominanten Delta-Mutante.

Auch die EU veröffentlicht aktuelle Karten zur Corona-Lage in EU-Mitgliedstaaten. Hilfreich sind zudem die Smartphone-Apps „Re-open EU“ oder „Sicher Reisen“.

Kann ich meine Reise kostenfrei stornieren?

Das Auswärtige Amt vermerkt hierzu: Gemäß den gesetzlichen Regelungen können Kunden Reisen meist dann kostenfrei stornieren, wenn am Reiseziel oder in dessen unmittelbarer Nähe „unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände“ auftreten, die die Durchführung der Reise oder die Beförderung von Personen an den Zielort erheblich beeinträchtigen oder unmöglich machen.

Laut Rechtsexperten handelt es sich bei einem behördlich verhängten „Einreiseverbot“ in das jeweilige Urlaubsland um einen Fall von höherer Gewalt. Pauschalreisen und individuell gebuchte Flüge können infolgedessen kostenlos storniert werden. Eine „Reisewarnung“ ist für eine kostenfreie Stornierung allerdings keine Voraussetzung, sie gilt aber als starkes Indiz dafür, dass die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen. Entscheidend für die Möglichkeit eines kostenlosen Reiserücktritts sind nicht Reisewarnungen, sondern die rechtliche Frage, ob außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vorliegen – Also der Grund für die Reisewarnung. Dies ist in jedem Einzelfall zu prüfen. Wir empfehlen prinzipiell immer, die Urlaubsreise schriftlich zu stornieren.

Liegt keine Reisewarnung (mehr) vor, kommt es auf die Kulanz des Reiseveranstalters an, ob Sie kostenfrei stornieren oder die Reise umbuchen dürfen. Können Sie Sehenswürdigkeiten nicht besichtigten, die einen wesentlichen Bestandteil der Pauschalreise ausmachen oder kommt es zu gravierenden Änderungen im Reiseablauf, kann dies ebenfalls einen Grund für einen kostenlosen Reiserücktritt darstellen. Eine wesentliche Änderung liegt auch dann vor, wenn Sie bei Ihrer Einreise in das Urlaubsland zunächst eine 14-tägige Quarantäne antreten müssten.

Können Sie nicht zum geplanten Zeitpunkt zurückreisen, weil zum Beispiel der Flug pandemiebedingt ausfällt, muss der Reiseveranstalter die Kosten für den verlängerten Aufenthalt für bis zu drei Tage tragen. Was darüber hinaus geht, müssen Sie selbst bezahlen, sofern die Kosten nicht von einer anderen Institution (zum Beispiel Behörden) übernommen werden. Werden Sie am Urlaubsort unter Quarantäne gestellt, übernehmen in manchen Ländern die Behörden die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten. Das hängt allerdings von den dort jeweils geltenden Gesetzen ab.

Habe ich bei einer Pauschalreise mehr Stornierungs-Rechte?

Eine Pauschalreise besteht immer aus mindestens zwei Hauptreiseleistungen. In den meisten Fällen ist das eine zusammenhängende Buchung von Flug und Hotel. Pauschalurlauber sind prinzipiell besser geschützt als Individualreisende. Das liegt auch daran, dass sie unter anderem über einen Sicherungsschein gegen die Zahlungsunfähigkeit der Airline geschützt sind. Zudem können kurz bevorstehende Pauschalreisen in Länder, in denen die Reisewarnung wegen Corona weiterhin gilt, kostenfrei storniert werden, auch wenn die Reisewarnung schon zum Zeitpunkt der Buchung bestand. Eine Pauschalreise ist quasi ein Rundum-sorglos-Paket für Urlauber. Wer allerdings seinen Urlaub zu früh absagt,, muss mit Stornogebühren rechnen. Gerichte geben dabei einen Zeitraum von zirka vier Wochen vor Reiseantritt vor. Wichtig in diesem Zusammenhang: Die reine Angst, an Corona zu erkranken, reicht nicht aus, um eine Reise kostenfrei abzusagen. Dies wissen auch die Reiseveranstalter und viele weigern sich, die Stornokosten zurückzuzahlen, wenn zu früh storniert wurde.

Welche Möglichkeiten haben Urlauber von Individualreisen?

Bei Individualtouristen ist die Sache komplizierter. Wenn Sie zum Beispiel den Flug und das Hotel bei unterschiedlichen Anbietern gebucht und bezahlt haben, gelten andere Regelungen als bei Pauschalreisen. Möchten Sie Ihre Individualreise aufgrund der aktuellen Lage stornieren, gelten zunächst die allgemeinen Geschäftsbedingungen Ihres Vertrags. Eine „Reisewarnung“ führt bei individuell gebuchten Reiseleistungen grundsätzlich nicht dazu, dass Sie kostenfrei stornieren können. Haben Sie laut Vertrag kein Recht auf eine kostenfreie Stornierung, sind Sie auf die Kulanz Ihres Vertragspartners angewiesen. Auch können Sie nicht kostenfrei stornieren, wenn Sie trotz bestehender Reisewarnung eine Unterkunft buchen beziehungsweise gebucht haben.

Bei einem Urlaub in Deutschland kann ein Individualreisender nur dann kostenfrei stornieren, wenn die Einzelleistung nicht erfüllt werden kann. Das wäre zum Beispiel denkbar, wenn der Flughafen nicht angeflogen werden kann oder der Hotelier Ihnen keine Übernachtung anbieten darf. Konkret heißt das: Wenn Ihre touristische Übernachtung in einem Bundesland wegen der Corona-Pandemie nicht erlaubt ist, dann darf Ihnen der Hotelier kein Zimmer anbieten – und er darf dementsprechend auch keine Stornokosten verlangen.

Wenn Sie Ihre Unterkunft allerdings direkt im Ausland oder über einen Online-Hotel-Vermittler gebucht haben, kommt ausländisches Recht zur Anwendung. In zahlreichen EU-Mitgliedstaaten legen die Hotelbetreiber selbst fest, ob die Zimmer kostenlos storniert werden dürfen, ob Stornogebühren fällig werden oder ob der komplette Betrag bezahlt werden muss. Urlauber sollten deshalb versuchen, die Lage direkt mit diesem zu klären – im Streitfall über einen Rechtsanwalt.

Was gilt, wenn ich positiv getestet bin?

So hart es auch klingt: Wenn Sie wegen eines positiven Corona-Tests oder einer behördlichen Quarantäne-Anordnung nicht verreisen dürfen, dürfen Pauschalreiseveranstalter ebenso wie Airline oder Hotel Stornokosten verlangen.

Sollte Ihr Test am Urlaubsort positiv ausfallen und sollten Sie deshalb nicht nach Hause reisen dürfen, müssen Sie eventuelle Zusatzkosten während der Quarantäne selbst bezahlen. Bei einer behördlich angeordneten Quarantäne sehen Regelungen im Urlaubsland möglicherweise eine Kostenerstattung vor. Einzelheiten müssen aber im Reiseland geklärt werden.

Gegen das Kostenrisiko durch eine Corona-Erkrankung allerdings können sich Reisende über eine Reiseabbruch- oder Reiserücktrittsversicherung absichern. Wichtig dabei: Viele Reiserücktrittsversicherungen enthalten Klauseln, die beispielsweise Pandemien vom Versicherungsschutz ausschließen. Im Zuge der Corona-Krise sind viele Versicherungsunternehmen jedoch dazu übergegangen, auch Stornierungen im Zusammenhang mit der Pandemie abzusichern. Hier lohnt sich ein genauer Blick in die Geschäftsbedingungen. Noch ein Tipp: Versicherungen verlangen als Nachweis ein ärztliches Attest.

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