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Wann endet die Corona-Pandemie?

Viele Menschen sehnen sich nach Konzertbesuchen, nach vollen Bars, nach einem unbeschwerten Leben ohne Maske und ohne Angst vor Ansteckung. Alle hoffen auf ein baldiges Ende der Corona-Pandemie. Aber verschwinden Viren einfach und das Leben wird dann wieder normal? 

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt auf, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, wie Pandemien enden können. 

Ende durch Herdenimmunität wie bei der Spanischen Grippe?

Die Spanische Grippe war eine der schlimmsten Pandemien der Menschheit. Sie tötete zwischen 1918 und 1919 weltweit mehr als 50 Millionen Menschen. Die Pandemie endete nach der dritten Welle im Sommer 1919. Ausbruch und Verlauf der Krankheit erfolgten oft sehr schnell, manche Patienten verstarben innerhalb weniger Stunden. Auch wenn die Pandemie über 100 Jahre zurückliegt, sind ihre sozialen, politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen mit den Folgen der aktuellen Corona-Pandemie zumindest vergleichbar. Die Spanische Grippe ist vor rund 100 Jahren auf eine Medizin getroffen, die nicht wusste, was sie damit anfangen sollte. Unwissenheit und Unsicherheit herrschten damals wie heute – und selbst die Maßnahmen, die das Infektionsgeschehen eindämmen sollten, ähneln sich: „Lüften, Masken, Hände waschen – die Strategien, auf die wir zurückgreifen, um Covid-19 aufzuhalten, sind dieselben wie bei der Spanischen Grippe“, sagt Heiner Fangerau, Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. 

Was die Spanische Grippe enden ließ, war die Tatsache, dass sich bei den Menschen nach und nach eine Immunität entwickelte, wenn sie die Krankheit überstanden hatten. Infizierten sie sich erneut mit dem Virus H1N1, war der Krankheitsverlauf milder. Zudem mutierte das Virus in eine schwächere Form. Fest steht, dass darüberhinaus die Kontaktbeschränkungen Wirkung zeigten, wie zeitgenössische Arbeiten und eine Studie beweisen: Isolierungen, Schulschließungen und Versammlungsverbote reduzierten die Zahl der Grippe-Todesfälle deutlich. Ganz verschwunden ist der Erreger aber nie. Immer wieder tauchen neue Grippeviren auf, die zur gleichen Gruppe gehören wie das H1N1-Virus der Spanischen Grippe, zum Beispiel die Schweinegrippe. „Inzwischen haben wir uns an die Influenza-Version gewöhnt – und werden uns wohl auch an COVID-19 gewöhnen müssen“, sagt Medizinhistoriker Fangerau. 

Wie konnten die Pocken ausgerottet werden?

Die Viruserkrankung zählt zu den tödlichsten Pandemien in der Geschichte. Allein im 20. Jahrhundert starben an ihr zwischen 300 und 500 Millionen Menschen. Übertragen wurde das Virus durch das Variolavirus. Personen, die mit dem Virus infiziert waren, entwickelten Fieber, dann einen Ausschlag, der sich in mit Eiter gefüllte Flecken verwandelte, die verkrusteten, abfielen und Narben hinterließen. Doch das Virus hatte einige Schwachstellen: Das Pockenvirus wurde nur von Mensch zu Mensch übertragen, es hatte keinen tierischen Wirt, in dem es überleben konnte. Zudem waren Genesene und Geimpfte gegen das Virus immun und damit ein Leben lang vor den Pocken geschützt. Ein weiterer Vorteil war, dass die Symptome eindeutig ausfielen und die Krankheit damit klar erkennbar war. So konnten Infizierte schnell ausfindig gemacht und isoliert werden. Diese Faktoren in Verbindung mit einer wirksamen Impfung machten die Ausrottung möglich. Laut Aussage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelten die Pocken seit 1980 als ausgerottet. 

Wie konnte SARS unter Kontrolle gebracht werden?

Der Erreger der aktuellen Corona-Pandemie, Sars-CoV-2, hat einen bekannten Vorgänger, der 2002 und 2003 die Gesundheitssysteme aufschreckte: das SARS-Virus, ebenfalls ein Virus der Corona-Familie. Das Virus, das schweres akutes Atemwegssyndrom verursachte, wurde erstmals im November 2002 in der chinesischen Provinz Guangdong beobachtet, danach verbreitete es sich über den internationalen Flugverkehr weltweit. Innerhalb von acht Monaten starben fast 800 Menschen an SARS, mehr als 8.000 Menschen erkrankten schwer.

Allerdings war dieses Virus lange nicht so ansteckend wie das aktuelle Coronavirus. Im Gegensatz zu Covid-19 vermehrte sich SARS in der Lunge, nicht schon im Rachen – dadurch war es schwerer, andere anzustecken. Auch waren Infizierte etwa zehn Tage nach Auftreten der ersten Symptome am ansteckendsten. Man konnte Erkrankte also gut erkennen und isolieren. Das aktuelle Corona-Virus ist dagegen bereits vor dem Auftreten von Symptomen und kurz danach besonders ansteckend.

Unter Federführung der WHO arbeiten die öffentlichen Gesundheitssysteme weltweit zusammen und entwickelten neben einer Teststrategie auch einen Maßnahmenkatalog, der auf konsequentes Isolieren von Erkrankten und potentiell Erkrankten setzte. Dies zeigte Wirkung und die WHO konnte die Pandemie relativ schnell in den Griff bekommen. Am 5. Juli 2003 erklärt sie, die Ausbrüche seien weltweit eingedämmt worden. SARS endete also, weil sich der Erreger bereits nach relativ kurzer Zeit verriet. Die Epidemie ließ sich mit klassischen Kontrollmaßnahmen effizient bekämpfen.

Wie könnte Covid-19 enden?

Es wäre ein Blick in die Glaskugel, eine genaue Prognose zu treffen, wann die Pandemie vorbei sein wird. Noch weiß man zu wenig darüber, wie lange beispielsweise eine Immunität anhält. Doch eine Ausrottung ist unwahrscheinlich: Das Virus hat einen tierischen Wirt, von dem es immer wieder auf den Menschen übergehen kann. Forscher sehen laut einer aktuellen Studie  bereits Anzeichen dafür, dass sich das Virus endemisch entwickeln könnte –  dass es also auch in den kommenden Jahren regional zirkulieren wird. Infektionen würde es somit weiterhin geben, die Schwere der Erkrankung könnte aber abnehmen.

Der Charité-Virologe Christian Drosten glaubt,  dass mittelfristig jeder in Deutschland gegen Sars-CoV-2 immunisiert sein werde –  entweder durch die Impfung oder durch eine Infektion. Das Zeitfenster dafür schätzt der Virologe auf anderthalb Jahre. Heiner Fangerau kann sich folgendes „Ende“ der Corona-Pandemie vorstellen: „Das Coronavirus wird wie das Influenzavirus ein Begleiter unserer Gesellschaften bleiben. Wir werden uns arrangieren müssen. Wenn sich die Infektionszahlen auf niedrigem Niveau einpendeln, sinkt irgendwann der Nachrichtenwert und die Aufmerksamkeit für die wenigen Infektionen wird schwinden.“ Bis es so weit kommt, ist jedoch eine weltweite Impfstrategie alternativlos. Auch das Einhalten der AHA-L-Regeln sowie eine konsequente Teststrategie sind zunächst weiterhin wichtig, um die Pandemie unter Kontrolle zu behalten.

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