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Öffnen auf Probe – was ist bald wieder möglich?


Veranstaltungen mit vielen Menschen an einem Ort waren wegen Corona zuletzt kaum möglich. Doch seit die 7-Tage-Inzidenzen auch in Deutschland rapide sinken, erwarten viele Menschen hierzulande umfängliche Lockerungen der strengen Corona-Beschränkungen und hoffen auf einen unbeschwerten Sommer. Erste Pilotstudien geben mittlerweile Hinweise darauf, wie wahrscheinlich  bald wieder große Kulturevents, Sportveranstaltungen und Feiern sind – und welche Schutzmaßnahmen getroffen werden sollten.

Internationale Studien machen Mut

Forscher aus Spanien und den Niederlanden haben untersucht, ob sich Großveranstaltungen trotz der Corona-Pandemie durchführen lassen. Dazu veranstaltete unter anderem ein Forscherteam aus Barcelona ein fünfstündiges Konzert mit 500 Teilnehmern unter kontrollierten Bedingungen. Alle Besucher mussten einen aktuellen negativen Antigentest vorweisen und eine Schutzmaske tragen. Zudem wurde die Halle über ein Belüftungssystem belüftet. Bei allen Teilnehmenden führte das Team vor dem Konzert zusätzlich einen PCR-Test durch, dessen Ergebnis allerdings erst nach dem Konzert vorlag. Der PCR-Test zeigte tatsächlich, dass 13 der 465 Probandinnen und Probanden mit Corona infiziert waren. Acht Tage nach dem Konzert wurde eine Kontrolluntersuchung durchgeführt: Hier zeigte ein PCR-Test bei allen 465 Besuchern des Konzerts ein negatives Ergebnis. Sogar die 13 Personen, die vor dem Konzert ein positives Testergebnis vorwiesen, waren in der Zwischenzeit genesen. Das Forscherteam kam zu dem Ergebnis, dass sich offensichtlich niemand auf dem Konzert mit Corona angesteckt hatte.

In den Niederlanden wurden gleich mehrere Großveranstaltungen wissenschaftlich begleitet. Dazu gehörten ein Kongress, Konzerte, ein Fußballspiel, Theatervorstellungen, ein Musikfestival, aber auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam. Überall mussten Besucher zuvor einen negativen Test vorweisen und während des Events eine Schutzmaske tragen. Das Fazit der Studie besagt, dass bei einem geringen Infektionsrisiko bei guter Ventilierung alle Veranstaltungen möglich seien. Schnelltests seien nur bei Sportveranstaltungen, Konzerten in Innenräumen und Festivals im Freien ohne feste Sitzplätze notwendig – also Events, bei denen sich Menschen körperlich sehr nahe kommen. 

Deutschland hofft auf Party-Sommer und volle Stadien!

Die Ergebnisse der Studien stimmen zuversichtlich. Und angesichts fallender Inzidenzen hierzulande stellten zuletzt mehrere deutsche Ministerpräsidenten weitgehende Öffnungsschritte in Aussicht. Vielerorts haben Flohmärkte und Museen schon geöffnet, im Theater, Kino oder bei Konzerten sind Besucher zugelassen, die einen aktuell negativen Test vorweisen. Freizeitparks unterliegen künftig keiner Testpflicht mehr, auch für Museen und Ausstellungen brauchen die Besucher keinen negativen Corona-Test. Auch werden Schulabschlussfeiern und Abi-Partys möglich sein. Die genauen Vorgaben und Regelungen legt im übrigen immer das jeweilige Bundesland fest.

In Schleswig-Holstein sieht der Stufenplan beispielsweise vor, dass Ende Juli Konzerte im Innenbereich wieder mit 1.250 Personen möglich sind. Im Außenbereich sind dann 2.500 Besucher zugelassen. Ab dem 30. August steht die vorerst letzte  Öffnungsstufe im Plan. Dann sollen in vielen Bereichen auch generell die Größenordnungen entfallen, wie viele Besucher im Maximalfall möglich sind. Ähnliches erhoffen sich die Bürger*innen in anderen Bundesländern. Das würde bedeuten, dass auch wieder Fußballspiele mit Fankulisse in vollbesetzten Stadien stattfinden könnten. Viele Fans würden sich sicherlich darüber freuen – und der Zeitpunkt käme gerade richtig: Am 11 Juni startet die EM. 

Auch die Allianz Arena in München wird bei den drei dort stattfindenden Turnieren ihre Tore für wieder für Fans öffnen. Mit 14.000 belegten Plätzen wird allerdings nur ein Bruchteil ihrer Kapazität von 70.000 Plätzen belegt. Für Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) dennoch ein Grund zur Freude:  „Ich freue mich, dass nun endlich klar ist, dass die Münchner Spiele mit Zuschauern im Stadion stattfinden können“ 

Was ist mit Festivals und kulturellen Veranstaltungen?

Leider mussten für 2021 zahlreiche Events abgesagt oder auf 2022 verschoben werden (etwa „Hurricane“, „Deichbrand“, „Rock am Ring“, „Rock im Park“, „Fusion“, usw.), doch im Gegensatz zum letzten Jahr sollen im anstehenden Sommer und Herbst doch einige Highlights stattfinden.

Auch die weltbekannten Bayreuther Festspiele sollen im Juli und August stattfinden. Wie viele Gäste zugelassen werden und wie genau das Hygienekonzept aussieht, ist allerdings noch nicht bekannt.

Die Veranstalter des legendären Metal-Festival „Wacken“ in Schleswig-Holstein tüfteln schon lange an einem sicheren Hygiene-Konzept und erwarteten für dieses Jahr bis zu 75.000 Besucher: „Gemeinsam mit Behörden, Virologen, Epidemiologen, Hygienikern, Politikern und vielen weiteren Experten arbeiten wir unermüdlich an Ideen und Konzepten. Ziel ist es, euch ein sicheres und fröhliches Wacken Open Air zu ermöglichen.“ Die Unwägbarkeit der Lage ist jedoch für Veranstalter schwer einschätzbar. Hoch ist das Risiko einer neuen Coronawelle und von kurzfristig neuen Einschränkungen. Die Veranstalter von Wacken kapitulierten nun – nur zwei Monate vor dem Start des Festivals – und entschlossen sich das Festival auf das folgende Jahr zu verschieben.

Österreich geht voran!

Unser Nachbarland Österreich geht übrigens noch einen Schritt weiter: In der Alpenrepublik sind ab 1. Juli wieder volle Stadien, Konzertsäle und Theater erlaubt – man verzichtet sogar auf die Maskenpflicht. Auch die Obergrenzen für die Besucherzahlen bei Veranstaltungen im Freien fallen weg. Voraussetzung ist, dass die Besucher getestet, genesen oder geimpft sind. Grundlage für alle anstehenden Lockerungen sei die insgesamt sehr erfreuliche Entwicklung sowohl bei der Zahl der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus als auch bei der immer geringeren Belegung der Klinikbetten mit Corona-Patienten, erklärte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz.

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