Psychische Folgen der Corona Krise bei Jugendlichen und Senioren

Auf die ein oder andere Weise ist jeder von uns von den Auswirkungen von SARS-CoV-2 betroffen. Untersuchungen zeigen jedoch, dass für zwei Personengruppen die Folgen der Pandemie besonders gravierend sind. Das sind zum einem Kinder und Jugendliche und zum anderen Senioren. 

Kinder und Jugendliche – fast jeder dritte psychisch auffällig

Bereits der erste Lockdown war für die jungen Menschen schwer zu meistern, der zweite erwies sich gerade für weniger resiliente Personen als ein harter Rückschlag. 

Was verursacht die meisten Probleme?

Schulschließungen, Verbot von Gemeinschaftssport und Begegnungen mit Freunden änderte von einem Tag auf den anderen das Leben einer gesamten Generation. Ein strukturierter Alltag mit Schulbesuch, Hausaufgaben, Hobbys und sozialen Kontakten brach völlig weg. Das Homeschooling kann die entstandenen Lücken kaum auffüllen. Zum einen ist dieses System noch nicht ausgereift, zum anderen kann ein Online Meeting den persönlichen Kontakt nie vollständig ersetzen. Kinder bleiben weitgehend für sich. Neben dem schulischen Leistungsabfall drohen sie zu vereinsamen. Zugleich können Kinder und Jugendliche aufgrund von Schulschließungen, Ausgangsbeschränkungen und Quarantänen das Zuhause nur in seltenen Fällen verlassen. Je enger der Wohnraum und je weniger Rückzugsmöglichkeiten vorhanden, desto höher das Risiko von Familienstreitigkeiten zwischen Eltern und Kindern oder zwischen den Geschwistern.

Was sind die Folgen?

Noch sind die langfristigen Schäden schwer abzuschätzen, aber schon die jetzigen Entwicklungen sind dramatisch. 

Sowohl kleinere Kinder als auch Teenager leiden wegen der Krise unter Schlafstörungen, manche kehren ihren Tagesrhythmus um und machen die Nacht zum Tag. Essstörungen, die sich sogar als Anorexie oder als Bulimie äußern können, gehören für die junge Generation zu den weiteren schweren mentalen Folgen der Pandemie. Dazu kommt der allgemeine Bewegungsmangel aufgrund des Wegfalls von Sportunterricht und Freizeitsport. Das führt jedoch nicht zuletzt oft auch zu Gewichtszunahme und den damit verbundenen dauerhaften Gesundheitsrisiken. 

Weiterhin manifestieren sich der Stress und der Bewegungsmangel häufig als Nervosität, erhöhte Aggressivität oder umgekehrt als Teilnahmslosigkeit. 

Auch das Homeschooling erzeugt für viele Kinder zusätzlich Stress. Ohne schulische Strukturen und Abläufe und dem direkten Feedback durch Lehrer und Gleichaltrige beginnen viele Kindern an ihren Leistung zu zweifeln. Oft ist von Seiten der Lehrkräfte keine angemessene Kontrolle möglich und nicht jede Familie kann beispielsweise Hilfestellung bei der Erledigung von Hausaufgaben gegeben werden. Das Ergebnis ist nicht zuletzt allgemeiner Schulfrust und mangelnde Motivation zum Lernen. “Wir sehen, dass etwa ein Drittel der Kinder und Jugendlichen mit emotionalen und Verhaltensauffälligkeiten reagiert.”, so die Professorin für  Klinische Kinder- und Jugendpsychologie Silvia Schneider im Interview mit dem BMBF. 

Wie kann man betroffenen Kindern helfen?

Nicht wenige Jugendlichen sind wegen der mentalen Belastung auf die Hilfe von Psychologen angewiesen. 

Doch auch die Familien selbst können Kinder und Jugendliche in dieser Zeit unterstützen und ihnen Halt geben. Vor allem Kinder benötigen feste Strukturen. Schaffen Sie Lernzeiten, aber vor allem auch feste Zeiten für Freizeit, in denen die Schule nicht erwähnt wird. Haben Sie aktuell noch mehr als sonst ein offenes Ohr für schulische und private Probleme und Sorgen. Die positive Zuwendung der Eltern ist jetzt, wo Ihr Kind so wenige andere soziale Kontakte hat, so wichtig wie nie. 

Auch Mitschüler und Freunde können durch gemeinsame Spaziergänge und intensive Kommunikation via soziale Netzwerke bei der Bewältigung der Probleme wertvolle Hilfe leisten. Sehen Sie es Ihrem Teenager daher auch einmal nach, wenn er den ganzen Tag am Handy hängt. Prof. Dr. Silvia Schneider: “Es hilft auch, wenn wir Verständnis dafür zeigen, dass man einen Lagerkoller hat.”

Senioren – eine vulnerable Gruppe mit erstaunlich hoher Resilienz

 Zwar zeigen Studien, dass ältere Personen häufig überdurchschnittlich gut mit den Einschnitten durch Corona zurecht kommen, doch vor allem diejenige, die alleine oder in Pflegeheimen leben, leiden unter den psychischen Folgen durch die COVID-19-Pandemie.

Wie entsteht die psychische Belastung und was sind die Folgen?

Eine der wichtigsten Ursachen liegt in der Vereinsamung und fehlenden Kontakten zu den Angehörigen. Die Besuche in Seniorenresidenzen sind stark reglementiert oder gänzlich untersagt. Die Ausgangsbeschränkungen behindern die ohnehin spärlichen Aktivitäten der Senior*innen. Gerade Hochbetagten und Menschen mit Demenz können diese Vorgaben nur schwer nachvollziehen. Sie fühlen sich eingesperrt und nicht mehr gebraucht. Das verschärft oft auch bereits bestehenden mentalen Probleme oder ruft neue hervor.

Fehlende Bewegung und Aufenthalt in der frischen Luft wirkt sich zusätzlich negativ auf die oft angeschlagene Gesundheit vieler Senior*innen aus.  

Die drastischen Folgen zeigen Studien aus Italien und Großbritannien. Hier nahmen Konzentrationsstörungen, Unruhezustände und Depressionen bei den untersuchten Senioren während des Lockdowns deutlich zu. Gleichzeitig stiegen die Todesfälle durch Demenz-Erkrankungen in Privathaushalten sogar um 79 Prozent an.  

Welche Lösungen sind möglich?

Viele Senioren – und vor allem jene in Pflegeheimen – können nicht mit neuen Kommunikationswegen wie Sozialen Medie umgehen. Als Mittel gegen die Einsamkeit sind sie daher während der Corona-Pandemie auf Telefonate und Briefe angewiesen. Viele Bewohner haben jedoch keine Angehörigen, die ihnen hätten schreiben können oder wollen Daher haben einige Heime eine Art von Brieffreundschaften eingerichtet: Man kann Bewohnern Briefe schreiben, auch wenn man sie nicht persönlich kennt. 

In vielen Einrichtungen versucht das Pflegepersonal Bewohnern auch soziale Netzwerke und Videotelefonie nahezubringen. Doch nicht jede Einrichtung hat dafür die Kapazitäten.Auch für einen sicheren und gesunden Aufenthalt draußen ist ein hohes Engagement der Pflegekräfte notwendig. In vielen Altenheimen herrscht jedoch seit Jahren Personalmangel und daher fehlt den Pflegenden für Zusatzaktivitäten oft die Zeit.

Einige Pflegeeinrichtungen haben gegen das Besuchsverbot auch eine einfache und wirksame Maßnahme entdeckt: Der Besuchsraum wird mithilfe einer transparenten Folie zweigeteilt, durch welche sich die Bewohner und ihre Angehörigen berühren und sogar umarmen können.