Impfen in Deutschland – Stand und weitere Aussichten

Seit Ende 2020 wird in Deutschland gegen das Corona-Virus geimpft. Zuerst nur mit dem Impfstoff von Biontech, später auch mit den Impfstoffen von Moderna und Astrazeneca. Es gibt mittlerweile aber weitere Impfstoffe, die bereits eine Zulassung haben oder kurz davor stehen. An vielen anderen wird noch geforscht. Manche Impfstoffe stecken noch in der Entwicklungsphase, andere werden schon in groß angelegten Studien getestet. 

Welche Arten von Impfstoffen gibt es? 

Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Körper auf das Eindringen eines Virus vorzubereiten. Alle Impfstoffe haben gemein, dass sie den Körper mit Merkmalen des Virus konfrontieren, jedoch ohne dabei den gleichen Schaden wie das Virus anzurichten. So hat der Körper die Möglichkeit in Ruhe eine Abwehr gegen zukünftige Infektionen aufzubauen. Derzeit sind bei den Corona-Impfstoffen zwei unterschiedliche Verfahren zugelassen: Sogenannte Vektor-Impfstoffe und mRNA-Impfstoffe. 

bei den Vektor Impfstoffen wird ein Stück der Erbsubstanz des Virus in einen anderen Virus eingebaut, der es dann wie eine Fähre in die Körperzellen schleust. Als Vektoren bzw. Träger nutzt man Schnupfenviren, die bei Schimpansen Erkältungen auslösen, aber nicht beim Menschen. Damit der Körper eine passende Abwehrreaktion erzeugen kann, wird das Virus um einen Teil der Erbsubstanz von Sars-Cov-2 ergänzt, und damit praktisch „verkleidet“. Das gaukelt dem Körper eine Infektion vor – und dies löst dann die Produktion von Antikörpern aus. 

mRNA-Technologie: Die Boten-RNA beinhaltet den Bauplan von Schlüsselstellen des Corona-Virus. Der Trick ist, diesen Bauplan in die Körperzellen zu schleusen: Dort wird der Bauplan, quasi die Botschaft der RNA, abgelesen und in ein Protein übersetzt. Anschließend stellen die Zellen das gewünschte Protein selber her. Die Zellen aktivieren dann das Immunsystem und sollen so die schützende Immunantwort erzeugen.

Wie wirksam sind die Impfstoffe? Und was sind die Unterschiede?

Im Moment sind in Deutschland vier verschiedene Impfstoffe zugelassen.

Biontech: Der Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und der US-Firma Pfizer wurde als erster Corona-Impfstoff in der EU zugelassen – im Dezember 2020. Er basiert auf der mRNA-Methode. Das Robert-Koch-Institut (RKI) spricht für den Impfstoff von Biontech von einer Wirksamkeit von 95 Prozent. Für den vollständigen Impfschutz sind zwei Impfungen im Abstand von sechs Wochen nötig.

Moderna: Der Impfstoff des US-Unternehmens Moderna ist ebenfalls ein mRNA-Impfstoff und soll auch einen ähnlich starken Schutz gegen eine Ansteckung haben. Offiziellen Angaben zufolge schützt der Impfstoff zu 90 Prozent vor Covid-19 und zu mehr als 95 Prozent vor schweren Erkrankungen. Auch hier muss man sich zwei Mal impfen lassen (Abstand sechs Wochen).

Astrazeneca: Seit Ende Januar darf auch der Impfstoff des schwedisch-britischen Unternehmens Astrazeneca genutzt werden. Er ist kein mRNA-Impfstoff, sondern ein Vektor Impfstoff.  Dadurch ergibt sich ein Vorteil des Astrazeneca-Impfstoffes: Er braucht nur Kühlschranktemperatur für die Lagerung. Das ist vor allem für Hausärzte praktisch. Auch von diesem Impfstoff braucht man zwei Piekser, allerdings mit zwölf Wochen Abstand. Laut Robert Koch-Institut (RKI) liegt die Wirksamkeit des Mittels bei bis zu 80 Prozent. 

Seit dem 1. April gilt die Empfehlung, dass Astrazeneca nur noch an Personen verimpft werden soll, die älter als 60 Jahre alt sind. Der Grund für diese Altersbeschränkung: In seltenen Fällen gab es bei Geimpften Komplikationen mit Thrombosen, die sich in Gefäßen des Gehirns bilden. Diese Blutgerinnsel traten überwiegend bei Frauen zwischen 20 und 60 Jahren auf, betrafen jedoch statistisch gesehen äußerst wenig Geimpfte.

Johnson & Johnson: Der Impfstoff des US-amerikanischen Herstellers Johnson & Johnson ist der neueste Impfstoff im Bunde. Er wurde im März 2021 zugelassen und funktioniert nach dem gleichen Muster wie Astrazeneca. Er ist also ebenfalls ein Vektor-Impfstoff. Seine Besonderheit: Man braucht nur eine Impfung. Außerdem ist der Impfstoff lange bei Kühlschranktemperaturen haltbar. Im Vergleich zu den anderen Impfstoffen schützt er etwas weniger vor einer Ansteckung (Wirksamkeit: 66 Prozent), kann aber ziemlich gut verhindern, dass man sehr schwere Krankheitssymptome bekommt (die EMA bestätigt einen 85-prozentigen Schutz).

Auch bei diesem Impfstoff, werden derzeit mögliche Nebenwirkungen in Form von Thromboembolische Ereignissen geprüft. Derzeit sind vier Fälle bekannt, in denen diese mit zeitlichen Zusammenhang zur Impfstoffgabe auftraten. 

Gibt es weitere Impfstoff-Kandidaten? 

Weltweit gibt es rund 280 Projekte, in denen Unternehmen, Institute und Universitäten an einem Mittel gegen das Corona-Virus arbeiten. In der entscheidenden Phase III angekommen sind derzeit 20 weitere Impfstoffe, wovon sich drei im sogenannten Rolling-Preview-Verfahren befinden, dem beschleunigten Zulassungsverfahren der EMA:

Curevac ist der  zweite deutsche Impfstoffkandidat. Das Tübinger Biotech-Unternehmen hofft auf eine EU-Zulassung bereits im Mai. Wie bei den Wirkstoffen von Biontech und Moderna handelt es sich bei ihm um einen mRNA-Impfstoff. 

Sputnik V ist ein russischer Vektor Impfstoff. Seine Besonderheit ist, dass er für die erste und zweite Dosis unterschiedliche Vektorviren nutzt. Dadurch soll die Abwehr noch gezielter auf Merkmale von Corona, nicht auf den Vektor ausgerichtet werden. Außerdem kann er bei bis zu 8°C gelagert werden. Er hat inzwischen die Zulassung in 60 Ländern, darunter auch die Notzulassung in den EU-Ländern Slowakei und Ungarn.

Bei der europäischen Arzeimittelbehörde EMA befindet er sich inzwischen im Rolling-Preview-Verfahren. Allerdings gibt es immer wieder Kritik, dass die Daten, die Russland zur Wirksamkeit und möglichen Nebenwirkungen liefert, unvollständig sind. Sollte die Zulassung für die EU erfolgen, stellt Russland eine Lieferung von 50 Millionen Dosen ab Juni in Aussicht. Das Bundesland Bayern hat sich über eine Vorbestellung bereits weitere 2,5 Millionen Dosen gesichert. 

Novavax ist der dritte Impfstoffkanditat mit guten Chancen auf baldige Zulassung. Er ist weder ein mRNA noch ein Vektor Impfstoff. Hier werden Proteine aus der Virushülle, sogenannte Spike-Proteine direkt in den Körper injiziert. Der amerikanische Impfstoff des gleichnamigen Unternehmens zeigte in bisherigen Tests einen zuverlässigen Schutz vor schweren Verläufen und auch einen guten Schutz vor Ansteckung. Auch er lässt sich bei 2-8°C lagern. Der Impfstoff startete am 2. März in das Rolling-Preview Verfahren der EU. 

Wie viele Impfstoffe liefern die einzelnen Hersteller?

Bis zum 11. April hat Deutschland 22.444.875 Millionen Corona-Impfstoffdosen ausgeliefert bekommen. Die ausgelieferten Dosen (Stand: 14.04.2021) stammen von den folgenden Herstellern:

  • Biontech: 15.105.675 Dosen (bestellt sind: 94,1 Millionen Dosen)
  • Astrazeneca: 5.577.600 Dosen (bestellt: 56,3 Millionen Dosen)
  • Moderna:  1.761.600 Dosen (bestellt: 50,5 Millionen Dosen)
  • Johnson & Johnson: bisher noch keine Dosen (bestellt: 36,7 Millionen Dosen)

Nach Produktions- und Lieferschwierigkeiten zu Beginn des Jahres sollen die Impfstoff-Mengen im Jahresverlauf spürbar anwachsen. Nach knapp 20 Millionen Impfdosen im ersten Quartal sollen nach aktuellen Schätzungen des Gesundheitsamtes im zweiten Quartal 73 Millionen Dosen und bis Ende des Jahres insgesamt sogar 323 Millionen Dosen ausgeliefert werden. Eine aktuelle Übersicht zu den für Deutschland vorgesehenen Impfstoffmengen bietet die Bundesregierung auf ihrer Website.

Wie viele Menschen in Deutschland wurden bereits geimpft?

Im EU-Vergleich mischt Deutschland beim Impfen plötzlich ganz vorne mit. Der bisherige Höchststand wurde am 14. April erreicht: Fast 740.000 Impfungen wurden an diesem Tag verabreicht – statistisch gesehen entspricht dies 514 Impfungen pro Minute! Inzwischen haben mehr als 20 Prozent der etwa 83 Millionen Menschen in Deutschland mindestens eine Dosis bekommen (Stand 18.04). Etwa jeder Fünfte also, Tendenz steigend. Auf der anderen Seite sind viele Millionen Menschen noch gänzlich ungeschützt. Die zweite Impfung, die erst den vollen Schutz erbringt, haben laut Statistik des Robert Koch-Instituts (RKI) bisher etwa sieben Prozent der Bevölkerung erhalten. Die täglich aktualisieren Impf-Zahlen und -Statistiken finden Sie übrigens auf dem Dashboard der Bundesregierung