Kann man als Geimpfter noch ansteckend sein?

Die Impfung gegen Covid-19 ist die große Hoffnung im Kampf gegen das Corona-Virus. Dennoch sind viele Menschen verunsichert. Können Geimpfte noch das Coronavirus übertragen und damit die Pandemie am Köcheln halten? Zunächst einmal gilt als gesichert: Wer sich gegen das Coronavirus impfen lässt, baut einen Schutz auf. Sein Immunsystem kennt die Erreger dann bereits und kann sie in der Folge schneller und besser bekämpfen. In dieser Zwischenphase, solange der Erreger aber noch nicht vollständig bekämpft ist, schlagen jedoch auch Tests richtigerweise positiv an. 

Doch sind durch eine Impfung auch andere geschützt? 

Tatsächlich führt die Corona-Impfung, nach allem was man bisher weiß, nicht zu einer „sterilen Immunität“. So nennt man eine Impfung völlig ohne Infektionsgefahr. Beim in Großbritannien hauptsächlich verwendeten Impfstoff von AstraZeneca deuteten Tierversuche darauf hin, dass kein absoluter Fremdschutz gegeben sei, erklärt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“. Geimpfte Affen, die man absichtlich mit Corona infiziert hatte, seien zwar nicht erkrankt, dennoch sei das Virus noch mehrere Tage im Rachen der Tiere nachweisbar gewesen. „Das heißt, diese Tiere wären wahrscheinlich trotz Impfung ansteckend gewesen.“ 

Gibt es dazu Studien an Menschen?

Ja, die gibt es, aber sie sind wissenschaftlich noch nicht begutachtet. Im Zuge einer klinischen Studie in England an Beschäftigten im Gesundheitswesen wurde festgestellt, dass der Impfstoff AstraZeneca die Corona-Übertragung um 50 bis 67 Prozent verringere. Und Untersuchungen in Israel, wo schon sehr viele Menschen geimpft worden sind, lieferten ähnliche Resultate: Das Risiko mit dem Coronavirus infiziert zu werden, sinkt nach der ersten Impfung um 50 %. Positiv war zudem die Erkenntnis, dass eine Großzahl der Infizierten eine deutlich geringere Virenlast in sich trug als Personen, die sich ohne Impfschutz mit dem Corona-Virus infiziert hatten. Trotzdem könnten damit auch geimpfte Personen potentielle Überträger des Corona-Virus sein und andere infizieren. Abschließende Daten liegen allerdings noch nicht vor.

Wie wirkt eigentlich eine Impfung im Körper?

Ziel einer Impfung ist es zuallererst, vor der Entwicklung einer Krankheit zu schützen. Nun gibt es manche Impfungen, wie die gegen Mumps und Masern zum Beispiel, die tatsächlich eine vollständige „sterile Immunität“ schaffen. Aber bei vielen anderen Impfungen, zum Beispiel gegen Keuchhusten oder Influenza, bleibt eben doch eine gewisse Infektionsgefahr bestehen. Das ist nicht überraschend, wenn man sich vergegenwärtigt, wie eine Impfung wirkt: Der Impfstoff regt das Immunsystem dazu an, Zellen in Stellung zu bringen und Antikörper gegen die Viren oder Bakterien zu bilden. Dadurch können aber immer noch Viren und Bakterien in den Körper gelangen. Dieser Impfschutz funktioniert nicht wie ein Schutzanzug, der eine äußere Barriere bildet. 

Wettlauf gegen die Infektion: Wer ist schneller – Virus oder Immunsystem? 

Ob es nach dem Kontakt mit einzelnen Erregern dann zu einer ernstzunehmenden Infektion kommt, hängt vor allem von einem Wettlauf ab: Wer ist schneller, das Virus oder das Immunsystem? Wenn es den Erregern nach dem Eindringen in den Körper gelingt, sehr schnell an seinen Zielort zu gelangen und sich dort zu vervielfältigen, dann braucht das Immunsystem wahrscheinlich zu lange, um eine Infektion vollständig zu unterdrücken. Es kommt also zu der Möglichkeit einer Weitergabe des Virus an andere. Wenn das Immunsystem jedoch schneller ist, weil der Erreger sich sehr langsam vermehrt oder im Körper erst mal einen längeren Weg zurücklegen muss, dann kann die Infektion so stark unterbunden werden, dass der Infizierte eben keine Viren mehr weitergeben kann. Wer schneller ist, das hängt vom Immunsystem jedes Einzelnen ab.

Impfung bekämpft das Corona-Virus sehr effektiv!

Beim Coronavirus ist eine „sterile Immunität“ auch deshalb schwer zu erreichen, weil es ein Atemwegsvirus ist. Die Ansteckung erfolgt meist dadurch, dass man es einatmet. Dann gelangt es sehr schnell an seinen Wohlfühlort auf der Rachenschleimhaut. Dort sitzt es und vermehrt sich bis das Immunsystem die Infektion registriert und die Immunantwort startet. 

Die Impfung findet im Muskel statt. Daraufhin bildet das Immunsystem seine Abwehrzellen und seine Antikörper in der Blutbahn – und die müssen dann zur Rachenschleimhaut gelangen, wenn das Virus dort eingefallen ist. Es braucht Zeit, wenn auch nicht allzu lange, bis das Immunsystem sich gegen die Eindringlinge formiert. Dann wird es den Erreger auch auf der Rachenschleimhaut sehr effektiv bekämpfen. Die Impfung verschafft dem Körper dabei einen entscheidenden Vorteil. Das Immunsystem muss nicht erst herausfinden, mit welchem Erreger es konfrontiert ist. Es kennt den Eindringling durch die Impfung bereits und hatte schon genug Zeit, seine Waffen zu wählen. 

Das Virus hat so weniger Zeit sich auszubreiten, bis das Immunsystem es bekämpft und besiegt. Dadurch ist die Viruslast bei einem Geimpften sehr viel geringer als bei einem Nicht-Geimpften und die Infektionsgefahr für andere besteht nur für einen deutlich kürzeren Zeitraum. Deshalb muss man sich immer klarmachen: Die Impfung gegen Corona dient zunächst dem Eigenschutz. Sie ist aber auch ein elementarer Beitrag für die ganze Gesellschaft, die Gefahr durch Corona zu senken. 

Ist ein Coronatest auch für Geimpfte sinnvoll?

Die gute Nachricht vorneweg: Wer zweimal mit AstraZeneca, Moderna oder Biontech geimpft wurde, erkrankt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht mehr an Covid-19. Da mit der Impfung gegen Sars-Cov-2 jedoch keine „sterile Immunität“ erreicht wird, besteht die theoretische Möglichkeit, dass Geimpfte andere mit dem Virus infizieren. 

Wenn Sie also Ihren Verwandten oder Freunden einen Besuch abstatten und auf Nummer sicher gehen wollen, dann lohnt sich auch für geimpfte Personen ein Coronatest. Nur so können Sie trotz Impfschutz mit Sicherheit ausschließen, dass Sie das Corona-Virus nicht in sich tragen und an andere weitergeben können.