Wenn mein Selbsttest positiv ist, bekomme ich dann umsonst einen PCR-Test? Und wenn ja, wo?


Weil es immer noch viel zu wenig Impfstoff für alle Impfwilligen gibt, gleichzeitig aber der Ruf nach Lockerungen lauter wird, setzt die Politik im Kampf gegen das Corona-Virus auf eine offensive Teststrategie. Mit massenhaften Schnelltests, etwa in Schulen, will man die Zeit des Impfstoffmangels überbrücken. Auch Selbsttests für den Heimgebrauch kommen jetzt zum Einsatz. 

Selbsttests ersetzen PCR-Tests und Antigen-Tests, die von fachmedizinischem Personal mit Nasen-Rachenabstrich genommen wurden nicht. Sie können jedoch dabei helfen, das Ansteigen der dritten Corona-Welle abzuflachen. SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte dazu im Interview mit dem WDR: „Wenn sich die Bevölkerung regelmäßig selbst testen würde, zum Beispiel vor Besuchen bei Verwandten oder Freunden, dann würden Infektionsketten unterbrochen werden!“ 

Bei diesen Selbsttests für den Heimgebrauch sind Corona-Tests gemeint, mit denen sich jede Person eigenständig testen kann und die nicht von medizinischem Fachpersonal in Arztpraxen, Apotheken oder in Teststationen durchgeführt werden müssen. Diese Selbsttests haben neben Apotheken mittlerweile fast alle Supermarktketten im Angebot. Je nach Anbieter liegt der Preis zwischen 4,95 Euro und 6,99 Euro pro Stück. Derzeit gibt es 22 zugelassene Tests zur Eigenanwendung durch den Laien – und es kommen ständig neue Anbieter hinzu, die die strengen Prüfkriterien erfüllen. Wer Selbsttests online kauft, sollte darauf achten, dass diese auf der Liste vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stehen. 

Wie funktioniert ein Selbsttest für zu Hause?

Der Selbsttest für zu Hause ist genauso wie der Schnelltest, der durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt wird, ein sogenannter Antigen-Schnelltest. Er ermittelt, ob Virusproteine (Antigene) in der Probe enthalten sind, und liefert im Unterschied zum PCR-Test bereits nach 15 Minuten ein Ergebnis. Bei den neuen Selbsttests für zuhause, die jetzt auf den Markt gekommen sind, wird der Abstrich einfach vorne in der Nase genommen. Sie werden deshalb auch „Popeltests“ genannt – und sind deutlich einfacher durchzuführen als der Hals-Nasen-Abstrich der Profi-Tests, bei dem ein Wattestäbchen durch die Nase oder den Mund bis an die Rachenwand geschoben werden muss. 

Wie die Tests durchgeführt werden müssen, wird in den jeweiligen Begleitzetteln ausgeführt. „Die Abstriche müssen genauso abgenommen werden, wie es der Hersteller angibt. Nur dafür sind die Schnelltests zugelassen“, sagt Professorin Bettina Löffler vom Institut für Mikrobiologie an der Uniklinik Jena.

Mittlerweile sind übrigens auch die ersten Selbsttests zum Gurgeln, Spucken oder Lutschen zugelassen. 

Die Tests gelten als relativ zuverlässig. Relativ deshalb, weil es passieren kann, dass der Schnelltest nicht anschlägt,  wenn die Viruslast bei einer infizierten Person sehr gering ist. Solche Fälle werden nach wie vor am besten mit dem PCR-Test entdeckt. Ein negatives Selbsttestergebnis bietet also keine 100-prozentige Sicherheit, dass nicht doch eine Ansteckungsgefahr von jemandem ausgeht. 

Was passiert, wenn mein Selbsttest zu Hause positiv ausfällt?

Eine offizielle Meldepflicht laut Gesetz gibt es nicht. Sie sollten das Ergebnis aber sehr ernst nehmen und sich vorsichtig verhalten. Halten Sie die AHA+L-Regeln (Abstand-Hygiene-Alltagsmaske + Lüften) gewissenhaft ein, gehen Sie nicht mehr nach draußen und meiden Sie bitte den Kontakt zu anderen Menschen. Dies gilt auch für alle anderen Mitglieder Ihres Haushaltes. 

Im nächsten Schritt sollten Sie unbedingt und schnellstmöglich das Testergebnis durch einen PCR-Test bestätigen lassen. Melden Sie sich deshalb bitte bei Ihrer*m Arzt*in oder beim Patienten-Service (Telefon-Nummer 116 117). Wenn Ihr*e Hausarzt*in nicht selbst testet, wird er*sie Sie an eine Teststation oder an eine Corona-Schwerpunktpraxis weitervermitteln. Diesen folgenden PCR-Test müssen Sie nicht selbst bezahlen. Er wird über die Krankenversicherung abgerechnet.

Vorteile und Nachteile von Selbsttests für den Laien?

Das Positive vorneweg: Corona-Selbsttests für den Heimgebrauch schlagen vor allem bei hochinfektiösen Patienten sehr zuverlässig an. Von daher helfen diese Corona-Tests im Alltag relativ schnell, zumindest hochinfektiöse Patienten aufzuspüren. Zudem bedeutet ein negatives Ergebnis, dass die Testperson sehr wahrscheinlich aktuell nicht besonders ansteckend ist. Trotzdem warnen zahlreiche Experten*innen, ein negatives Ergebnis nach einem Selbsttest nicht mit einem Freifahrtschein zu verwechseln. Denn diese Testform liefert keine Antwort auf die Frage, ob eine Person mit dem Corona-Virus infiziert ist oder nicht. Das Testergebnis ist lediglich eine Momentaufnahme, ob eine Person im Moment des Tests ansteckend ist. Weil Menschen nach einer Infektion jedoch Tag für Tag ansteckender werden, sollte der Test alle 24 Stunden wiederholt werden. Darüber hinaus können Tests, insbesondere, wenn sie von Laien durchgeführt werden, fehlerhafte Ergebnisse liefern. 

Wenn Sie bei Ihrem Corona-Test auf Nummer sicher gehen möchten, dann besuchen Sie am besten eine unserer Teststationen, etwa in Berlin, Frankfurt oder Hannover. Sollten Sie zudem noch weitere Fragen zum Thema Corona-Tests haben, wird Ihnen unser medizinisch geschultes Fachpersonal sehr gerne Auskunft erteilen.